Im Jahre 2000 prügelten fünf rechsradikale Hooligans den 38-jährigen Maler Mark Hogancamp in tagelanges Koma. Wieder erwacht, sind seine sämtlichen Erinnerungen ausgelöscht. Er begann, seine eigene Traumwelt zu gestalten: Im Garten baute er ein Modell des belgischen Dorfes Marwencol, aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Dazu designete er 30 Zentimeter große Figuren, basierend auf Familie, Freunden, mit denen er fiktive Kriegsabenteuer durchlebte. Die Eigentherapie half ihm, motorische Fähigkeiten wieder zu erlernen, mit dem Trauma umzugehen, sich quasi zu rächen. Als Fotografien seiner Arbeit entdeckt werden, wird die Kunstwelt auf ihn aufmerksam, man widmet ihm Ausstellungen.

Die ausgezeichnete Doku "Marwencol" (2010) beschäftigt sich auch mit der Frage, ob sich Mark entschieden hatte, in seiner Fantasiewelt zu bleiben oder sich wieder mit der Realität zu konfrontieren. Diese Doku inspirierte Robert Zemeckis zum Spielfilm. Obwohl als Vertreter des Mainstreams bekannt, hält er sich diesbezüglich erstaunlich zurück. Natürlich kann Zemeckis Hochglanz-Unterhaltung nicht vermeiden, doch ohne jegliche Gefühlsduselei. Typisch, dass der Film in den USA als "seelenlos" herabgewürdigt wurde. Totaler Quatsch. Nicht nur Steve Carell mit stillen, zarten Gefühlen berührt ungemein. Ebenso der ganz eigene visuelle Stil der Puppenfiguren, technisch perfekt zwischen Real, CGI, flüssiger Stop-Motion. Insgesamt gewöhnungsbedürftig, aber faszinierend.