Mit einem Schlag auf die Tischglocke des Bankschalters macht ein alternder, elegant gekleideter Mann auf sich aufmerksam. "Sie wünschen, bitte?" Sehr höflich ersucht er um Herausgabe des Geldes. Der Verweis auf eine Kanone, die sowieso nicht geladen ist, reicht völlig. Mit einem derartigen Überraschungseffekt hat man noch nie einen Banküberfall erlebt. Nach dem Motto: Wer stilvoll aussieht, wird sofort als jemand erkannt, der genau weiß, was er tut. Besonders glaubhaft, wenn der Räuber von Robert Redford lässig verkörpert wird. "Auch diese Geschichte ist weitgehend wahr" weist auf "Butch Cassidy und Sundance Kid" hin. Womit augenzwinkernd auf eine langjährige Karriere zurück geblickt wird, die Redford nun, nach eigenen Angaben, abschließt. Seine Figur gab es wirklich: Forrest Tucker (1920-2004) war nicht nur einer der besten Bankräuber, sondern ein ebenso guter Ausbrecher. Bereits mit 15 kam er erstmals in den Knast, wo er das meiste Leben verbrachte, wobei er 18 Mal erfolgreich ausbrach, weitere 12 Mal misslangen die Versuche. Daraus macht David Lowery keine Biopic, sondern ein Schelmenmärchen. Und damit Redfords Charme, Anmut und Charisma nicht zur One Man Show werden, stehen ihm zwei ebenfalls alternde Komplizen zur Seite: Danny Glover und Tom Waits. Dazu kommen die ebenfalls tollen Sissy Spacek und Casey Affleck. Eine ebenso geschmeidige, starke wie amüsante Abschiedsvorstellung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.