Wir alle tragen einen Superhelden in uns. Damit ist nicht gemeint, dass jeder in der Lage ist, ganze Häuser oder gar Berge zu versetzen, aber manchmal ist ja auch schon ein bisschen Menschlichkeit oder Zivilcourage recht heldenhaft.

Im Fall des 14-jährigen Pflegekindes Billy Batson (Asher Angel) ist das mit dem Superhelden, der in ihm steckt, allerdings wörtlich gemeint. Denn Billy braucht nur das Wort "Shazam!" zu rufen, und schon verwandelt er sich in den erwachsenen Superhelden dieses Namens (gespielt von Zachary Levi), weil das einst ein steinalter Zauberer so verfügt hat. Billy ist als Halbwüchsiger natürlich begeistert von den zu- und abschaltbaren Superkräften und den Sixpack-Muskeln, die er als Shazam besitzt; wie es sich für einen Teenager gehört, probiert er diese Superkräfte nur allzu gern aus und schwelgt gerade zu darin, allerorts als Held zu gelten. Schließlich will erprobt werden, ob Shazam in der Lage ist zu fliegen oder Blitze aus dem Handgelenk zu schleudern. Und auch, ob der Superheldenmodus ihn dazu ermächtigt, sich vor schwierigen Prüfungen in der Schule zu drücken, steht im Raum.

Jedoch wird aus allem Spaß irgendwann bitterer Ernst. Wenn es Shazam nämlich nicht gelingen sollte, seine außergewöhnlichen Fähigkeiten unter Kontrolle zu bringen, dann wird er sich kaum gegen jenen Bösewicht zur Wehr setzen können, der schon bald auf den Plan tritt: Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong), der auch einiges kann, vor allem richtig böse sein.

Über weite Strecken ist die saloppe Art der Inszenierung von David F. Sandberg dieser liebenswürdigen Hauptfigur geschuldet, es zeigt sich auch hier: Figurenzeichnung ist einfach alles, auch (und vor allem) im gegenwärtigen Hollywood-Bombastkino, das derzeit wieder mit großer Intensität einen Comic-Blockbuster nach dem anderen in die Kinos entlässt, darunter kürzlich "Captain Marvel" oder demnächst "Hellboy" und "Avengers: Endgame". Ein bisschen ratlos scheint man auf der Suche nach dem nächsten großen Filmhit zu sein, der die Probleme für die Kinos, die durch Streamingdienste und geänderte Sehgewohnheiten entstehen, vergessen machen lässt.

Witzig, manchmal zu witzig

Der DC-Film "Shazam!" ist aber nicht das ersehnte Allheilmittel für das Kinojahr 2019, wiewohl der Film dank zahlreicher witziger Einfälle sehr wohl gute Laune und viel Leichtfüßigkeit in das oft bierernst gemeinte Comic-Genre bringt. Aber "Shazam!" übertreibt es auch an etlichen Stellen mit seinem Witz, um zugleich auch schnell im Fahrwasser einer wilden Genre-Mixtur ins Schleudern zu geraten. Obwohl es eigentlich um einen Teenager geht, der an sich Superkräfte entdeckt und darüber auch eine Persönlichkeitsfindung durchlebt, entscheidet sich Regisseur Sandberg dafür, ein richtig umfangreiches Paket für seine Seher zu schnüren: Da gibt es neben der ganzen Action und dem Slapstick auch ein Familiendrama und viele Szenen, die aus einem Horrorfilm stammen könnten. Sandberg hat eine deutlich jüngere Zielgruppe im Auge als jene, die gewöhnlich in Comicverfilmungen geht, traut ihr aber zu, sich ein bisschen fürchten zu können im Kinosaal.

Dahinter stünde freilich die Metapher, dass "Shazam!" in seiner Konstellation auch symbolisch ist für Kinder, die sich vor bösen Geistern fürchten, von Gespenstern träumen und ihre Ängste nicht verarbeiten können, doch auf dieses psychologische Experiment lässt sich Sandberg nicht ein: Er erzählt lieber fröhlich, wie ein Bub im Superheldenkostüm zuallererst Bier und einen Strip Club ausprobiert. Das macht die Story letztlich ungefähr so pubertär wie ihren kindlichen Helden.