Eltern handeln verständnisvoll, beschützend, zum Wohl der eigenen Kinder. Das bezweifelt der 1944 geborene Schriftsteller Richard Ford in seinem Roman "Wildlife" (1990) und ramponiert das heile Bild ordentlich. Mit der Verfilmung des Stoffes legt Schauspieler Paul Dano, der selbst mit der Rolle eines traumatisierten 15-Jährigen in "L.I.E." seine Karriere begonnen hatte, ein eindrucksvolles Regiedebüt vor.

Dabei beginnt alles scheinbar anders. Vater, Mutter und Sohn sitzen nahe beisammen, sprechen nett über jenen Ort in Montana, in dem sie seit kurzem leben, über Zukunftspläne sowie Mathematikunterricht für den Buben. Doch dann offenbart sich in einem klug eingefädelten Schock die Wirklichkeit. 1960 ist die Familie in die Provinz gezogen wegen einem besseren Job. Den aber verliert Vater Jerry (Jake Gyllenhaal), versinkt in Alkohol und Selbstmitleid. Mutter Jeanette (Carey Mulligan) zeigt Verachtung, sucht sich selbstbewusst eine eigene Arbeit. Der 14-jährige Joe (Ed Oxenbould) muss hilflos zusehen, wie die Familie auseinanderbricht: Jerry verlässt sie, um mit der Feuerwehr Waldbrände zu bekämpfen; Jeanette fängt ein Verhältnis mit einem reichen älteren Mann an. Diese Ereignisse und die Folgen werden fast ruhig, mit kleinen Gesten erzählt. Doch Mulligan und Gyllenhaal können sich schauspielerisch voll entfalten. Vor allem aber fasziniert, wie Oxenbould Gesichtsausdrücken Sprache verleiht, trotz Ängsten vernünftig bleibt. Eindrucksvoll auch die Landschafts- und Dorfbilder. Rundum gelungen.

Drama

Wildlife, USA 2018

Regie: Paul Dano

Mit: Carey Mulligan, Jake Gyllenhaal, Ed Oxenbould