Ein Film über Van Gogh also. Einer von vielen. Was kann er noch über diesen Künstler erzählen, was nicht schon gesagt worden ist?

Ziemlich viel: Der Maler und Filmregisseur Julian Schnabel hat es in seiner an van Goghs Gemälde angelehnten, essayistisch vorgebrachten Biografie der letzten Jahre des Malers geschafft, das Lebensdrama dieses Mannes in vielen Miniaturen festzuschreiben. Denn das Lebensdrama Vincent van Goghs war, dass seine Kunst zu seinen Lebzeiten stets belächelt wurde, niemals anerkannt, wertgeschätzt oder auch finanziell gewürdigt.

Mit 35, zwei Jahre vor seinem Tod, hatte van Gogh (gespielt vom immerhin schon 63-jährigen Willem Dafoe) bereits mehr als 100 Gemälde geschaffen, aber noch kein einziges verkauft. Diese fehlende Anerkennung äußerte sich in einer fragilen Psyche, die ihn der Hektik von Paris entfliehen ließ, südwärts in die kleine Stadt Arles. Dort beginnt eine der intensivsten Schaffensphasen des Künstlers, der sich zu dieser Zeit vorwiegend der Natur widmet.

Geistige Trugbilder

In Paul Gauguin (Oscar Isaac) hat er einen Freund gefunden, der einzige, der ihn in Arles besucht, doch auch Gauguin kann van Goghs düsteren Gedanken auf Dauer nichts abgewinnen und reist wieder ab. Nur van Goghs Bruder, der Kunsthändler Theo (Rupert Friend), unterstützt ihn nach Kräften. Das viele Alleinsein macht van Gogh aber schwer zu schaffen - bis er seiner geistigen Trugbilder wegen in einer psychiatrischen Anstalt landet, in der er 1890 stirbt, und zwar unter nie ganz geklärten Umständen.

Doch keine Angst: Julian Schnabel bemüht keine Mystifizierung des Maler-Genies, das erst nach seinem Tod verstanden wurde. Vielmehr unternimmt Schnabel den Versuch, sich van Gogh über seine Bilder zu nähern. So ist der Originaltitel des Films, "At Eternity’s Gate" ganz absichtlich als Referenz auf das gleichnamige Bild des Malers zu verstehen, das er zwei Monate vor seinem Tod fertigstellte. Im visuellen Stil nähert sich Schnabel deutlich van Goghs Blick auf die Umwelt, die Natur an, zugleich transportiert der Film auch das sehnsüchtige Moment des Schaffens, wenn der Akt einer Verschmelzung des Künstlers mit der Natur gelingt; beides bewusste Stilmittel, die Schnabel natürlich bestens kennt - schließlich ist er auch ein manisch Schaffender, allerdings ungleich erfolgreicher als van Gogh: Für Schnabels Bilder werden inzwischen Millionen bezahlt.

Ein Experiment

Es ist daher wenig verwunderlich, dass Schnabel die Filmemacherei als Experiment betrachtet, das nicht und nie auf Gewinn ausgerichtet ist. Dafür sind seine Filme - von "Basquiat" über "Before Night Falls" bis hin zu "Schmetterling und Taucherglocke" - zu künstlerisch motiviert. Diesen Mann interessieren die wirklichen, die ursprünglichen Gefühle kreativer Schaffenskraft.

Davon lebt nun auch "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit", in dem Schnabel geradezu aufgeht in Willem Dafoes Performance, die man als die beste seiner Karriere bezeichnen kann. Dazu die fiebrig-rastlosen Weitwinkel-Bilder von Kameramann Benoît Delhomme, die in Kombination mit Dafoes Spiel den Einblick in eine geschundene Künstlerseele lebendig werden lassen.