Ruhestand ist etwas für Rentner. Ein Ex-Ganove hingegen kann sich mit einem ereignislosen Alltag nicht abfinden. Nach dem Tod seiner Frau und Kumpeln, die im Knast sitzen, will er sich selbst und den anderen beweisen, dass er es noch drauf hat. Deshalb holt sich Brian Rider (Michael Caine) andere altbackene Ganoven, um sie bei einem letzten Einbruch anzuführen, der Millionenbeute verspricht. Der Coup ging als "Hatton Garden Job", der größte Einbruch aller Zeiten, in die englische Kriminalgeschichte ein.

Rentner im Schacht

Nach zwei Verfilmungen und einer Mini-Serie basiert die nunmehrige Version hauptsächlich auf einem Zeitungsartikel, in dem beschrieben wird, wie vielfach vorbestrafte Rentner durch einen Aufzugsschacht in das Gebäude der Hatton Garden Safe Deposit Company eindrangen, sich mit schwerem Gerät durch eine 50 Zentimeter dicke Kellerwand der Schließfachanlage bohrten, zunächst mit der Beute entkamen. Doch bald wurden sie gefasst und verurteilt.

Diese unglaubliche, wahre Geschichte wird offiziell als schwarzhumorige Kriminalkomödie verkauft. Doch davon ist nicht viel zu merken. Sie müsste von den Filmlegenden gewaltig verstärkt werden. Nur Michael Caine hat halbwegs nachvollziehbare Motive, Lebenssinn wiederzuerlangen. Die Charaktere von Jim Broadbent, Tom Courtenay, Ray Winston, Paul Whitehouse bleiben zu flach.

Ebenso hält sich der Humor in engen Grenzen. Zumindest nach der Tat dürfen sie ein wenig wahre Gesichter von Böslingen zeigen, allerdings mit lästig dummem Tauziehen um die Beute. Ansonsten wandern sie steif und träge, fast schon uninteressiert, durch einen Stoff, von dem man glaubt, dass er einfach nicht langweilig sein könnte. Leider ein Irrtum. Regisseur James Marsh, der immerhin Filme wie "Entdeckung der Unendlichkeit" drehte oder für "Man of Wire" einen Oscar abräumte, kann mit dem Comedy-Thriller zu wenig anfangen. Es bleibt lauwarm und spannungsarm. Eine arge Enttäuschung nach der guten Rentner-Gang-Komödie "Abgang mit Stil", ebenfalls mit Michael Caine. Oder gar im Vergleich mit den diesjährigen tollen Biopic-Versionen "The Mule" von und mit Clint Eastwood oder "Ein Gauner und Gentleman" mit Robert Redford. Schade um die britischen Filmlegenden und die vertanen Chancen.