Wer viel Erde bewegt, macht sich selbige untertan, könnte man sagen. So ganz stimmt diese These allerdings nicht, wie Nikolaus Geyrhaltes neuer Film zeigt. Der trägt den ganz schlichten Titel "Erde" und handelt auch davon. Oder besser: Er handelt davon, wie der Mensch (die Menschheit) aufgrund seiner (ihrer) regen Bautätigkeit mehr Material dieses Planeten verschiebt und bewegt als jede Naturgewalt. Geyrhalters Dokumentarfilm begibt sich an entlegene Orte, zu Minen, in Bergwerke, in Endlagerstätten für Problemstoffe, in Gebiete also, wo normalerweise niemand hingelangt, und fängt dort die Gegebenheiten mit seiner stets nüchternen Kamera ebenso ein wie die Befindlichkeiten der dort arbeitenden Menschen.

In sieben Kapiteln führt Geyrhalter an Stätten des Tage- und des Tiefbaus in Europa und Nordamerika. Eine Idee, wohin der Film gehen sollte, hatte Geyrhalter zwar, das betont er gerne. Aber zu wissen, wohin die Reise führt, wollte er nicht. Vieles überließ er dann doch mehr dem Zufall.

Nikolaus Geyrhalter liebt die grundsätzlichen Themen des Lebens. Viele seiner Filme befassen sich mit Orten, an denen wesentliche Dinge über die Welt erzählt werden können. Ob das jetzt sein Besuch in "Pripyat" bei Tschernobyl war, ob das seine Suche nach "Nicht-Orten" in Europa gewesen ist wie in "Abendland", oder auch zuletzt sein Stimmungsbild aus der Brenner-Region über die ab 2015 befürchteten Flüchtlingsmassen und die geplanten Gegenmaßnahmen in "Die bauliche Maßnahme": Geyrhalter sucht in seinen Dokumentarfilmen stets den Weitblick in eine Welt aus facettenreichen Einzelteilen, die in seinen Bildern zu einem großen Ganzen montiert werden. Die Bilder sind nicht selten Totalen, in denen man sich verlieren kann und die es einem ermöglichen, die gezeigte Welt auf eigene Faust zu entdecken. Das ist nicht selbstverständlich in der stets gescripteter werdenden Welt des dokumentarischen Erzählens. Es ermöglicht dem Publikum mehr "Luft" zum Atmen.

In "Erde" geht Geyrhalter der Frage nach, wie der Mensch sich seine Umwelt zu eigen macht. Darin liegt auch der Trugschluss des Films: Schnell wird anhand der Bilder klar, dass der Mensch seinem Planeten zwar Wunden zufügen, ihn aber nie in die Knie zwingen kann. Das ist die Message des Films: Der Planet wird uns Menschen überleben.

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