Grimmig: Edda Björgvinsdóttir. - © Farbfilm
Grimmig: Edda Björgvinsdóttir. - © Farbfilm

Man ehrt den Baum des Schattens wegen, lautet ein altes deutsches Sprichwort. Doch auch das genaue Gegenteil könnte der Fall sein, wie "Under the Tree" vorführt.

Zwei wohlsituierte Paare leben nebeneinander im schicken Reihenhaus der idyllischen Vorstadt Reykjavíks. Doch die Äußerlichkeiten täuschen. Inga (Edda Björgvinsdóttir) und Baldvin (Sigurður Sigurjónsson) lieben ihren Garten, aber noch mehr ihren prachtvollen Baum. Doch genau seinetwegen bricht Ärger mit den Nachbarn (Selma Björnsdóttir, þorsteinn Bachmann) aus: Die zürnen, weil sie auf ihrer Terrasse unter allzu viel Schatten leiden. Ihre Bitte, das Gewächs etwas zu stutzen, wird harsch abgelehnt. Bald liegen die Nerven blank: Ein erbitterter Kampf zwischen den Familien und Chaos sind die Folgen.

Treibende Kraft der Eskalation ist Inga. Dazu kommt, dass ihr Sohn weitere Probleme hat. Allmählich werden die Beweggründe sämtlicher Figuren beleuchtet. Wobei alles erstaunlich kühl, sachlich bleibt, mit Understatement auch in schrillsten Momenten. Was aber fehlt, ist Empathie für die toll gespielten, doch unsympathisch bleibenden Figuren. Frauen sind hart und grausam, Männer letztlich hilflos. Ob man es als Tragödie, Komödie oder klaustrophobische Farce sieht, bleibt dem Zuschauer überlassen. Trotz allem ein ungewöhnlich komplexer Film.