Ein Film über Elton John, der noch dazu von Elton John begleitet und mitproduziert worden ist, muss dem Künstler entsprechen, so viel ist klar. Und das ist bei "Rocketman", diesem exzentrischen Musical über die frühen Jahre des Ausnahmemusikers auch gelungen. Ein Film, der zeigt, wie aus einem kleinen dicken Bub der größte Popstar Großbritanniens wurde, der aber auch nicht verschweigt, dass es auf dem Weg dorthin zahlreiche Schattenseiten gegeben hat.

Da ist zum Beispiel der Moment, in dem Elton John, gespielt von Taron Egerton, in voller, für ihn üblicher Montur mit Glitzerhörnern und schrill-orangem Outfit, mit Flügeln am Rücken und der obligatorischen Herzerl-Brille im Gesicht mitten in die Sitzung einer Selbsthilfegruppe platzt und seine ganzen Süchte aufzählt: "Mein Name ist Elton Hercules John, ich bin Alkoholiker, kokainsüchtig, kaufsüchtig, sexsüchtig, habe Probleme mit Gras und Medikamenten und bin aggressiv". Was für ein Geständnis.

Doch diese Schattenseiten sind nicht die Hauptsache in "Rocketman. Vielmehr outet sich der Film schnell als schrilles-knallbuntes Musical, das ungestüm und wild von der Faszination erzählt, die Elton John in seinem Leben für die Musik aufgebracht hat. Das begann schon, als er als kleiner Bub namens Reginald Dwight sämtliche Musik bloß nach dem Gehör nachspielen konnte auf seinem Klavier. Das interessierte seine Familie wenig, nur die Großmutter erkannte sein Talent und machte ihm Mut.

Outfits als Maskerade

Später, als John bereits Hits geschrieben hat, ist der Popstar ein zutiefst verunsicherter junger Mann geblieben, der sich nur hinter seinen schrägen Outfits, den Hüten und den Brillen einigermaßen wohlzufühlen scheint; all das Maskerade, die verbergen soll, dass darunter nicht bloß ein kleiner, untersetzter schwuler Mann mit ausfallendem Haupthaar steckte, sondern eben auch ein sensibler Künstler und ein noch sensiblerer Mensch.

Und die Musik? Die schwingt sich in "Rocketman" zur Höchstform auf: Die Hits - von "Your Song" über "Rocketman" bis zu "I‘m Still Standing" - beweisen ihr zeitloses Pop-Potenzial. Das Besondere daran: Nicht Elton Johns Originale bilden den Soundtrack, sondern alle Songs wurden von Hauptdarsteller Taron Egerton höchstselbst eingesungen. Das gibt dem Film eine Extraklasse, denn Egerton macht seine Sache ziemlich gut und trifft Elton Johns Ton präzise, ohne ihn dabei auch nur ein einziges Mal zu imitieren.

Man fühlt sich nicht umsonst stilistisch an den großen Pop-Film des Vorjahres erinnert; in "Bohemian Rhapsody" stand Freddie Mercury im Rampenlicht, und Hauptdarsteller Rami Malek erhielt für seine Performance sogar einen Oscar. Inszeniert wurden beide Filme von Dexter Fletcher, einem Mann, der die euphorische Zeit des rasanten Aufstiegs von Elton John ebenso leidenschaftlich schildert wie auch die schweren Zeiten zwischen Sex-Eskapaden, emotionalen Tiefs und endlosem Drogenkonsum. Das brachte dem Film in den USA ein R-Rating ein (Jugendliche unter 17 dürfen nur in Begleitung eines Erwachsenen in den Film) - was oft pures Kassengift für eine Produktion ist. Doch Elton John zeigte sich begeistert, dass der Film nicht zugunsten seiner Familientauglichkeit zensiert wurde: Schließlich habe auch er kein jugendfreies Leben gelebt, sagte er.