Am Ende hat man das Gefühl, einer Art Erschöpfung beigewohnt zu haben. Der neueste und letzte Aufguss der "X-Men"-Saga, bevor die Figuren von Fox zu Disneys "Marvel Cinematic Universe" wandern, nimmt sich ein wenig bemüht und unentschlossen aus; nicht immer ist in "X-Men: Dark Phoenix" klar, was hier eigentlich im Vordergrund stehen will: Die Psychologie der Mutanten, dieser gebrochenen Helden, die seit dem Jahr 2000 im Kino unzählige Erfolge eingefahren haben. Oder die Action, die immer spektakulärer zu werden versucht, aber dabei letztlich stets doch bloß das Immergleiche produziert.

Beides, die Figurenzeichnung und die Action, halten sich in "X-Men: Dark Phoenix" in etwa die Waage; der düstere Film erzählt im Grunde nichts Neues über seine Helden, das ist vielleicht sein größtes Manko. Andererseits: Es braucht an sich keine Neuerfindung von Dingen, die man ohnehin schon gewohnt ist.

Inhaltlich dreht sich "Dark Phoenix" um Jean Grey (gespielt von "Game of Thrones"-Star Sophie Turner). Die Handlung setzt Anfang der 90er Jahre ein, als die X-Men in der Gesellschaft großes Ansehen genossen. Als das Space Shuttle "Endeavour" in Gefahr gerät, schickt Charles Xavier (James McAvoy) sein Team ins All, um zu helfen. Zunächst läuft auch alles prächtig, bis die X-Men plötzlich auf eine unerwartete, starke Sonnen-Energiequelle stoßen, die Jean Grey nur mit großer Mühe absorbieren kann. Zunächst scheint der Vorfall für sie folgenlos zu bleiben, doch schon bald bemerkt sie gravierende Veränderungen bei sich selbst: In ihr wachsen gewaltige Kräfte heran, die sie in Verwirrtheit und im Zorn gegen ihr eigenes Team einsetzt. Als bald mächtigste aller Mutanten steht Jean Grey auf der Abschussliste: Die anderen überlegen, wie man ihrer Herr werden könnte oder ob man sie doch töten müsse.

Dass die X-Men auch gegeneinander kämpfen können, weiß man bereits aus den Vorgängerfilmen. Und dass hier eine der berühmtesten Comic-Episoden aus der Reihe als Vorlage diente, ist ebenso bekannt. Immerhin hat diese Episode als Neben-Plot bereits in "X-Men: Der letzte Widerstand" (2006) ihren Weg auf die Leinwand gefunden, damals in Gestalt von Famke Janssen, die Jean Grey spielte. Geschrieben wurde das damalige Drehbuch von Simon Kinberg, der mit "X-Men: Dark Phoenix" nun sein Regiedebüt gibt - und weil er die Geschichte um Jean Grey so mag, hat er sie nun endgültig ins Zentrum des Films gerückt.

Solide, mit Einschränkungen

Kinbergs Schlusskapitel zu der 12 Filme aus zwei Jahrzehnten umfassenden Reihe bedient die Fans der Franchise mit Sicherheit in ausreichendem Maß, jedoch bleiben etliche Aspekte auf der Strecke: Die Gefühlsregungen in Jean Grey, die sie im Zuge ihrer Wandlung erlebt, stellt Kinberg zugunsten vieler allzu gestelzter Dialoge hintan. Sophie Turner erweist sich außerdem nicht als die beste Besetzung für den Part der zerrissenen, bald allmächtigen Mutantin.

Unterm Strich bleibt ein solides Sci-Fi-Abenteuer: Eine neue Alien-Rasse, die es zu schlagen gilt, wird eingeführt, um entsprechende Gründe für ausgedehnte (und visuell fesselnde) Action-Sequenzen zu haben (Kamera: Mauro Fiore), stets untermalt vom druckvollen Score Hans Zimmers. Kombiniert mit einer absoluten Top-Besetzung, darunter Michael Fassbender, James McAvoy, Jennifer Lawrence und - neu dabei - Jessica Chastain, wird der Film seinen Zweck erfüllen und sein Publikum da abholen, wo es auch zu Recht vermutet wird: an der Popcorn-Maschine.