Melita Norwood, geboren 1912, war Sekretärin bei der "British Non-Ferrous Metals Resarch Association". Mehr als 40 Jahre hatte sie für russische Geheimdienste spioniert. Sie ermöglichte etwa, eine Kopie der britischen Bomben nachzubauen, technische Rückstände in kurzer Zeit aufzuholen. 1965 wurde sie vom Security Service identifiziert, der jedoch aus Eigeninteressen verzichtete, sie zu verhören, ebenso nach ihrer Pensionierung, um den Fall nicht wieder aufzurollen.

Norwood selbst betrachtete sich nie als Spionin, sondern als Hilfe gegen Bedrohung und für Ebenbürtigkeit der Staaten. Auch Agentenlohn hatte sie nie angenommen. 2005 verstarb diese ungewöhnliche Frau. Das Film-Biopic beruht auf einem Roman von 2014, kann die reale Spannung nur wenig nachvollziehen. Hier heißt sie Joan Stanley, gespielt von Judi Dench. Allerdings nur als gealterte Protagonistin, die wegen Hochverrats festgenommen, nunmehr hinter einem Verhörtisch sitzt. Das meiste wird in Rückblenden aus den 1930er Jahren gezeigt (mit Sophie Cookson als junge Joan). Dench wird als Stichwortgeberin verschwendet, obwohl sie ideal für eine Charakterstudie gewesen wäre. So kommt mehr das Porträt einer Frau in männerdominiertem Umfeld als ein Spionagethriller heraus. Meist theatralisch bis melodramatisch. Die Studienzeit von Joan etwa gerät zur romantisch gefärbten Vorgeschichte. Tolle Vorlage, bei der trotz guter Schauspieler zu viel Potenzial vergeben wird.