Was wäre, wenn es die Beatles nie gegeben hätte? Wenn ihre Lieder nicht über die Jahrzehnte hinweg begeistert und die Musikgeschichte geprägt hätten? Ein interessantes Gedankenexperiment, das Drehbuchautor Richard Curtis in eine humorvolle, durchgeknallte Fantasiekomödie ummünzt. Der Film unter der Regie von Danny Boyle schafft es auch, einige Lacher zu erzielen, verliert in der Zielgeraden aber leider an Tempo und Esprit.

Der erfolglose End-20er Singer-Songwriter Jack Malick ("East
Enders"-Alumni Himesh Patel) jobbt untertags im Lagerhaus und wird abends von seiner quasi platonischen besten Freundin Ellie (Lily James) quer durch ihr Heimatdorf Lowestoft kutschiert. Dort gibt er auf Kinderpartys und in Pubs Konzerte, die in erster Linie vom eigenen Freundeskreis besucht werden. Als Jack schließlich frustriert beschließt, seine musikalische Laufbahn zu beenden, passiert jenes Wunder, auf das Ellie ihn immer vertröstet hat. Just in dem Moment, als er bei einem Fahrradunfall das Bewusstsein verliert, ereignet sich ein mysteriöses globales Blackout.

Als die Lichter wieder angehen, hat das Ereignis nebenbei das Raum-Zeit-Realitätskontinuum verändert. Coca-Cola und Zigaretten existieren nicht mehr, "Harry Potter" wurde nie geschrieben und noch schlimmer, die Beatles haben nie Musik gemacht. Ein wieder genesener Jack muss erkennen, dass er der einzige ist, der sich an die Band erinnern kann. Für den erfolglosen Musiker eröffnet sich somit eine bizarre Möglichkeit: Die Lieder als seine eigenen auszugeben und so den Musik-Olymp zu erklimmen.

Paradoxe Situationskomik

Der Film weidet seine absurden Momente, in denen etwa Jacks Freunde "Yesterday" für eine Eigenkomposition halten oder seine Eltern keine Geduld aufbringen können, sich in Ruhe "Let it be" anzuhören, genüsslich aus. Und da keine Google-Ergebnisse und keine Alben mehr existieren, wird die Suche nach den Beatles Texten zu einem hektischen Trip durch den Irrgarten der eigenen Erinnerung als auch den der Straßen Liverpools.

Curtis‘ trockener Humor und Boyles flotte Inszenierung drücken im Stakkato-Takt zunächst all die richtigen Knöpfe, um dem Publikum dieses "Twilight Zone"-Konzept unterhaltsam zu verkaufen. Der englische Sänger Ed Sheeran darf sich auch über sich selbst lustig machen, indem er erst als Jacks Gönner und danach als egozentrischer Neider auftritt.

Auferstandener Mentor

Doch leider verpulvert der Film seine amüsanten Freak-Erlebnisse schon fast alle zu Beginn. So wird die zweite Hälfte eine eher langwierige Angelegenheit, in der die Ausgangsprämisse fast nebensächlich wird und der Held, wie schon so oft, entscheiden muss, ob er eine oberflächliche Karriere haben will oder ob er das wahre Leben (und die Frau darin) wählt. Hier schlägt das Skript ausgetrampelte Pfade ein, die nicht nur in einem zuckrig-süßen Finale enden, sondern sogar John Lennon als Mentor wieder auferstehen lassen.

Ob die Abwesenheit der Beatles in einem Paralleluniversum wirklich ein gähnendes Loch hinterlassen würde, dazu bezieht "Yesterday" klar Stellung. Die Welt wäre unendlich schlechter, tönt es von einer der Figuren. Die Songtexte, so eingebrannt in die kulturelle Existenz, kommen den Menschen immer wieder unbewusst über die Lippen. Es sind vielmehr der Ton und die Entwicklung der Figuren, in denen der Film sich nicht auf eine Linie festlegen kann und so letztendlich an Profil verliert.