Wohlfühlkomödien aus Frankreich gehen so: Ein meist älterer Herr bekommt es mit massiven Problemen zu tun, die er in seiner schnoddrigen Manier zunächst ignoriert und dann löst. Dazu muss in den deutschen Fassungen dieser Komödien unbedingt das Wort "Monsieur" vorkommen, weil die Zuschauer das dann leichter mit dem Publikumserfolg "Monsieur Claude und seine Töchter" assoziieren.

Diesmal heißt die Wohlfühlkomödie "Das zweite Leben des Monsieur Alain", und der angegraute Monsieur wird von Fabrice Luchini interpretiert, einem Meister des nuancierten Spiels, der dem ansonsten recht einfältigen Drehbuch dann und wann die nötige Würze gibt.

Luchinis Figur heißt Alain Wapler (den Franzosen ist die heimische Bedeutung dieses Nachnamens ganz offensichtlich nicht bewusst), und der ist von Beruf einer der wichtigsten Manager eines Automobilkonzerns, der in Kürze sein erstes Elektroauto präsentieren will. Darob ist Monsieur Alain permanent im Stress und arbeitet immer bis zur völligen Erschöpfung. Das kann nicht lange gut gehen, und Alains Umfeld bemerkt das auch. Es ist die Geistesgegenwart seines Chauffeurs, die ihm das Leben rettet, als ihn dieser im Eiltempo ins Krankenhaus schafft, weil Alain bewusstlos auf der Rückbank liegt.

Diagnose Schlaganfall

Bei Alain Wapler wird ein Schlaganfall diagnostiziert, der ihn mitten aus seinem umtriebigen Leben reißt. Er hat Glück, dass sich die Lähmungen in Grenzen halten, jedoch ist sein Sprachzentrum gestört: Alain vertauscht Silben und Wörter, verdreht Sätze und spricht nur mehr noch Unsinn. In dieser Phase beginnt er eine Behandlung bei der Logopädin Jeanne (Leïla Bekhti), die ihm in mühevoller Kleinarbeit wieder beibringen soll, richtig zu sprechen und beim Satzbau die korrekte Ordnung beizubehalten. In der Chefetage seiner Firma hat das Ereignis Folgen: Alain gilt als behindert und ist daher für seine Vorgesetzten nicht mehr in der Lage, seinen Beruf auszuüben. Man setzt ihn kurzerhand vor die Tür. Völlig am Boden zerstört, ist Alain Wapler nun zurückgeworfen auf sich selbst und zur Untätigkeit verdammt. Vor diesem Hintergrund nimmt er den Vorschlag seiner Tochter Julia (Rebecca Marder) an, mit ihr gemeinsam den Jakobsweg zu beschreiten. Ein Vater-Tochter-Abenteuer beginnt.

Regisseur und Drehbuchautor Hervé Mimran hat mit "Das zweite Leben des Monsieur Alain" die autobiografische Buchvorlage "J’étais un homme pressé" des Ex-Peugeot- und Airbus-Managers Christian Streiff verfilmt. Die Geschichte ist also wahr, ihre komödiantische Seite ist jedoch dem Kinofilm geschuldet, der schließlich vor allem unterhalten soll. Mimran legt Lucchinis Figur als schusseligen Manager an, und Luchini füllt diese Figur mit viel Energie, bei der man sich fast schon an Louis de Funès erinnert fühlt, der den französischen Mythos von der turbulenten Altherren-Komödie dereinst erschaffen hatte.

Luchini stützt sich auf das zentrale Element dieser Komödie: Der Sprachfehler, den Monsieur Alain nach seinem Schlaganfall hat, verschafft der Figur allerlei Wortspielereien, viele davon sind auf Deutsch nur schwer zu übersetzen und büßen daher ihre Wirkung ein. Wer kann, sollte also unbedingt die französische Fassung des Films sehen, denn da wirken die Dialoge pointierter.

Die Luft ist raus

Bald aber geht dem Drehbuch schon die Luft aus, denn die Gags wirken repetitiv. Außerdem klaut der Film ziemlich ungeniert bei den anderen erfolgreichen Komödien, die in den letzten Jahren aus Frankreich kamen: Einen drolligen Sprachfehler gab es schon bei den "Sch‘tis", und auch "Ziemlich beste Freunde" hatte mit Krankheit zu tun und erzählt wie auch "Monsieur Alain" eine wahre Geschichte. Das Auslatschen alter Ideen will diesmal jedenfalls nicht so recht zünden: Erfolgsrezepte lassen sich nicht so ohne Weiteres kopieren.