Wie wichtig sind für Sie die stilistische Ausformung und der "Look" eines Films?
Der ganze Film sollte in seiner Machart der Story untergeordnet sein, die er erzählen will. Ich hätte kein Interesse daran, einen Film zu machen, der ein spezielles Design hat, nur des Designs wegen. Es gibt in meinem Drehbuch sehr wohl Hinweise darauf, wie das Design des Films auszusehen hat, aber nur, wenn es für die Handlung wichtig ist, wenn ich als Autor es auch auf der Leinwand sehen will. Das Ganze sollte sich sehr organisch anfühlen, sollte Hand in Hand mit der Grundidee des Films gehen.

Computeranimation hatte bei einem solchen Anspruch wohl keinen Platz?
Für uns war wichtig, dass man die mechanische Seite der Animation mitbekommt, weshalb die Puppen auch auf diese Weise entworfen wurden. Es sollte sichtbar sein, dass es sich hier um handgemachte Animation handelt, nicht um Computeranimation. Zugleich sollte aber niemals der Eindruck entstehen, es handle sich hier um Puppentheater. Wenn man sich die hochbudgetierten Animationsfilme ansieht, bei denen Stop-Motion zum Einsatz kommt, werden die Puppen in der Postproduktion so glattgebügelt, dass man sie ohne Weiteres auch durch komplett computeranimierte Figuren ersetzen könnte. Es ist nicht so einfach, einen Unterschied zu erkennen. Wir dagegen wollten nicht gegen das von uns gewählte Material kämpfen. Diese Entscheidung entspricht auch symbolisch und metaphorisch dem, was wir mit diesem Film versucht haben, was wir ausdrücken wollen. Die Nahtstellen sollten also bleiben. Wir wollten, dass die Körper echt rüberkommen. Die Puppen sind winzig. Um die Augen lebendig wirken zu lassen, mussten die Animatoren sehr präzise Bewegungen mit Nadeln vollführen. Unser Ziel war es, dass die Figuren Seele haben und sehr ausdrucksstark sein sollten.

Ihre Karriere begann als Drehbuchautor, ehe Sie auf den Regiestuhl wechselten. Hat Ihnen diese Kontrolle gefehlt, als Sie "nur" der Autor waren?
Ich habe bei all meinen Projekten eigentlich immer ein sehr gutes Verhältnis zu den Regisseuren und den anderen Kreativen am Set gehabt und fühlte mich als Drehbuchautor auch niemals wirklich ausgegrenzt, wie man das ja oft von Kollegen hört. Dennoch hat mich das Regieführen schon auch gereizt, einfach, weil man da die komplette Kontrolle über den eigenen Stoff behält. Auch eröffnet sich einem eine noch viel größere Welt: Man muss mit Schauspielern arbeiten, sich um den Look und das Design des Films kümmern - all das liebe ich sehr.

Sehen Sie sich eigentlich als Fantasten?
Nein. Ich finde nämlich, dass alle meine Filme grundsätzlich stark am Boden der Realität verankert sind. Es gibt viele fantastische Elemente in meinen Geschichten, da haben Sie recht, allerdings bin ich als Erzähler immer nur auf der Suche nach wahrhaftigen, realen Gefühlen, wenn ich Geschichten zu Papier bringe.