Es sei nicht nur Talent, sagt Janis Joplin, das hätten viele. Nur manche bräuchten den Erfolg mehr als andere. Beim Ruhm gehe es letztendlich auch nur darum, geliebt zu werden.

Janis Joplin wird 1943 im texanischen Port Arthur geboren. Gegen die handfesten Hänseleien an der Highschool lehnt sie sich auf, indem sie sich laut, rebellisch und unangepasst gibt. Das ist das Gegenteil dessen, was von einem Mädchen in den 50er Jahren erwartet wird. Sie stellt fest, dass sie singen kann, und flieht Anfang der 60er nach San Francisco. Dort wird sie Teil der Rockband "Big Brother and the Holding Company". Das Monterey Pop Festival wird 1967 deren Durchbruch und Joplin zum Star.

Während der Aufnahmen zu ihrem Album "Pearl" stirbt Joplin 1970 an Drogenmissbrauch. Sie ist die erste Frau im Club der im Alter von 27 Jahren gestorbenen Rocksänger. Einmal gefragt, was sie tun würde, gäbe sie das Singen auf, lacht sie unsicher und sagt: "Irgendetwas anderes, das groovy ist, wahrscheinlich."

Filmemacherin Amy J. Berg kommt Joplin sehr nahe in ihrem Dokumentarfilm "Janis: Little Girl Blue". Berg geht es weniger um Joplins musikalischen Werdegang vom San Francisco der Flower-Power-Zeit aus. Ihr geht es darum, Joplin als Person zu verstehen. Sie erreicht das mit bisher ungezeigten Originalaufnahmen und indem sie die Sängerin Cat Power aus Joplins Briefen lesen lässt.

Kurz vor der Verlobung

Bergs Film besticht durch akribische Recherche. Die Regisseurin interviewt viele Weggefährten, die Joplin nahestanden: Freunde, Kollegen und Familie erzählen chronologisch Joplins kurzes Leben nach. Es entsteht das vollständige Bild einer Künstlerin, die alles von sich auf der Bühne preisgab, die ungezügelt, getrieben und kompromisslos war und gleichzeitig nach Anerkennung strebte.

So beschreibt sie sich in ihren Briefen trotz verschiedener Männergeschichten als kurz vor der Verlobung stehend, um dem konservativen Familienbild ihrer Eltern zu gefallen. Selbst als sie als Federboa-tragendes Hippie-Idol zurück in ihre Heimatstadt zum Klassentreffen kommt, genügt die Frage eines Reporters, nach ihrer Schulzeit, sie wieder zum Schulmädchen zu machen, das den Ansprüchen an eine junge Frau im tiefsten Texas nicht genügt.

Dass sie sensibel und dünnhäutig war, hat sie in ihren Auftritten und Liedern kompromisslos nach außen gekehrt. Der Film schildert glaubwürdig das Hoch auf der Bühne und das Alleinsein danach, zu dem Joplin zunehmend nur noch unter Drogen in der Lage war. Den Ruhm hat sie gewollt und bekommen, sich selbst hat sie dabei aufgebraucht. Um es in ihren eigenen Worten zu sagen: "Take another little piece of my heart now, baby!"