Guter oder böser Cop? "Triple 9" spielt alte Thriller-Varianten durch. - © Constantinfilm
Guter oder böser Cop? "Triple 9" spielt alte Thriller-Varianten durch. - © Constantinfilm

Der australische Regisseur John Hillcoat thematisiert in seinen Filmen überwiegend die Gewalt. Seine Begründung ist, dass dies ein Teil der Gesellschaft wäre, dessen Chaos er ohne Glorifizierung erforschen will. Wobei weniger die Erforschung als die Ausübung zu sehen ist. Das zieht sich von seinem Erstling, dem Gefängnisdrama "Willkommen in der Hölle" (1988), dem Outback-Western "The Proposition" (2005), bis hin zu "The Road" (2009), wo Viggo Mortensen mit seinem Filmsohn durch ein total abgewracktes, verwüstetes Amerika fährt. Schließlich kam vor vier Jahren mit "Lawless" die Prohibitionsära dran.

Neben all diesen Vergleichbarkeiten trägt die gewohnte Düsternis auch bei "Triple 9" zu dichter Atmosphäre bei. Der Schauplatz ist Atlanta, wo die Russenmafia das Sagen hat. An der Tagesordnung sind Straßenschlachten, Folter-Brutaliät, sogar öffentliche Hinrichtungen. Ausgerechnet im gefährlichsten Viertel tritt der Polizeineuling Chris (Casey Affleck) seinen Dienst an, bei seinem Onkel Sergeant Detective Jeffrey Allen (Woody Harrelson). Der Haken: Der Partner von Chris, Marcus Belmont (Anthony Mackie), gehört zu einem Polizeiquintett, das für die eiskalte und grausame Mafia-Chefin Irina Vlaslov (Kate Winslet) arbeitet.

Obwohl der erste zu sehende Banküberfall fast schief geht und im Chaos endet, soll ein weiterer, fast unmöglich erscheinender Coup folgen. Um sich dabei einen Zeitvorteil herauszuschlagen, kommen sie auf die Idee, den Code 999 auszulösen. Der lautet im Original, wenn ein Polizist angeschossen oder getötet wird: Officer needs help urgently. Der Neuling scheint dafür perfekt als Opfer zur Ablenkung geeignet.

Altbekannte Thriller-Varianten, vom letzten Coup, über einen labilen Verräter bis zur verhängnisvollen Affäre, werden in der Folge mit dem "korrupten Cop"-Plot versponnen. Auch sonst gibt es eine Menge von Bezügen, etwa zu "Heat", "L.A. Confidential", "The Shield" oder "Training Day".

Derartige, nicht enden wollende Verästelungen bringen aber das Problem von Zerfahrenheit mit sich. Auch kommen immer mehr neue Charaktere dazu, die natürlich kaum in der nötigen Tiefe ausgelotet werden können. Der Grundcast selbst ist immerhin sehr namhaft besetzt und tut sein Möglichstes gegen die Oberflächlichkeit. Vor allem Kate Winslet war kaum noch derart widerlich zu sehen, wobei sie sich auch an der Grenze zur Karikatur bewegt.

Der Thriller mit dem großen Bogen von Loyalität und Verrat, Gier und Rache steigert seine Spannung, die Düsternis wird fabelhaft bebildert. Doch ist er nicht unproblematisch. Und nur für Fans beinharter Krimis geeignet.