Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Verräter ohnegleichen: Edward Snowden, einst IT-Spezialist mit beschaulichem Dasein, tauschte die Freiheit gegen die lebenslange Jagd. In Moskau hat Snowden vorläufig eine Bleibe gefunden, die ihn vor dem Zugriff des US-Geheimdienstes schützt. Er würde ja zurückgehen in die USA, sagt Regisseur Oliver Stone. "Wenn man ihm dort einen fairen Prozess machen würde." Nur das scheint angesichts der Sprengkraft von Snowdens Enthüllungen illusorisch.

Stone, selbst ein politisch Unbequemer, der mit seinen Filmen von "Platoon" bis "JFK" stets die Politik der US-Regierungen hinterfragt hat, nimmt sich nun mit "Snowden" diesen noch nicht abgeschlossenen Kriminalfall zur Brust und dreht ihn auf zu einem packenden Thriller.

In Hongkong trifft Snowden, gespielt von Joseph Gordon-Levitt, auf die Journalisten Glen Greenwald (Zachary Quinto) und Ewen MacAskill (Tom Wilkinson) und auf die Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Melissa Leo), um sie in seine Enthüllungen des ausgeklügelten, abgeschirmten Überwachungssystems einzuweihen, das privateste Daten von Bürgern abgreift, obwohl diese nicht nur unschuldig, sondern auch nichts ahnend sind. Snowden stützt seine Vorwürfe auf zigtausende Geheimdokumente, die er von seinem Ex-Arbeitgeber, der NSA, kopiert hat. Der Preis für diese Enthüllung ist hoch: Snowden wird zur Persona non grata und weltweit gejagt.

Kleiner Mann mit Verve

Oliver Stone inszeniert all das in einer für ihn kühlen, aber temporeichen Weise und trifft gerade bei der Wahl seines Hauptdarstellers Joseph Gordon-Levitt ins Schwarze: Der fügt sich nämlich astrein in das Bild, das die Welt von Snowden kennt: Ein an sich bescheidener, kleiner, junger Mann mit Verve und dieser Portion Frechheit, die er aber für das Gute einsetzen will. "Snowden" von Oliver Stone ist nichts weniger als die Glorifizierung dieses Mannes, der gerade in den USA vielen als Schwerverbrecher gilt.

Der Film schildert die Ereignisse und die Aufdeckung der Überwachungsmaschinerie aus Snowdens Sicht. Stone benutzt die Mittel des Hollywood-Kinos, um diesem kleinen Mann noch einmal eine richtig große Bühne für seine Message zu geben: Alles, aber auch wirklich alles, was wir tun, kann überwacht, gesehen und gespeichert werden. Dass Stone eine rasante Thrillerhandlung in sehr zugängliche Bilder verpackt, macht den komplexen Sachverhalt für alle verständlich. Vielleicht ist genau das das größte Verdienst dieses Films.