Jean Ziegler vor einem Wandgemälde des chilenischen Malers José Venturelli in Havanna. - © Thim
Jean Ziegler vor einem Wandgemälde des chilenischen Malers José Venturelli in Havanna. - © Thim

Das Rufzeichen ist bei Jean Zieglers Schaffen programmatisch zu verstehen: Berühmt ist er vor allem für seine streitbaren Schriften wie "Ändere die Welt!". Als Intellektueller hat er seine Analysen immer direkt mit Handlungsaufrufen verbunden. Der 83-Jährige war bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung und ist inzwischen Teil des Beratenden UN-Ausschusses für Menschenrechte. In seiner Kritik an Kapitalismus und Globalisierung hat der Schweizer das "unverdiente Glück, hier geboren zu sein", nicht ausgehalten und in 16 Büchern gegen die Weltordnung angeschrieben. Mit seinem Kampf gegen die Weltdiktatur des Finanzkapitals hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Das hat ihn nicht davon abgehalten, weiter über die Mechanismen des Welthandels aufzuklären. Hinter seinem Schreibtisch wacht ein Bild Che Guevaras über Zieglers Schaffen, wenn dieser den "Aufstand des Gewissens" fordert. Von ihm stammt der berühmte Satz: "Jedes Kind, dass heute an Hunger stirbt, wird ermordet."

Da Ziegler die Idee ablehnt, seine eigene Biografie zu schreiben, übernimmt der Film "Jean Ziegler - Optimismus des Willens" nun die Rückschau auf sein Leben und Wirken. In seiner heutigen Funktion als Diplomat der Vereinten Nationen erklärt Ziegler unermüdlich den Zusammenhang zwischen Hedgefonds, Steueroasen und Hungerkrisen. In Genf sagt er aber auch, die Welt der Diplomatie sei ohne Mitleid.

Kategorischer Kämpfer

Nicolas Wadimoff war ein Student Zieglers an der Universität Genf. Als Dokumentarfilmer macht er nicht den Fehler, in bloße Bewunderung für Jean Ziegler zu verfallen. Stattdessen hinterfragt er behutsam dessen politische Überzeugungen. Der Film gibt nicht die Inhalte von Zieglers Schriften als Intellektueller und Aktivist wieder, sondern er unterzieht sie einer vorsichtigen Realitätsprüfung. Wadimoff setzt ihn in den Kontext der Revolutionäre, die Zieglers Weltbild geprägt haben: "Che, Neruda und Allende". Sie fahren dafür bis nach Kuba, denn für einen Sozialisten wie Ziegler findet hier die Probe aufs Exempel statt: Lassen sich seine Ideale in die reale Welt übersetzen? Hier tun sich Brüche auf, denn auf Kuba genauso wie in Genf sind die wirklichen sozialen Zusammenhänge kompliziert. Eine Revolution aber duldet keine Zweifel. Ziegler hat sich dazu entschieden, Idealist zu sein, auch, wenn das bedeutet, die Realität zu vereinfachen.

Der Film kommt Ziegler sehr nahe und ist so das genau beobachtete Porträt eines kategorischen Kämpfers. Die Einordnung seines Wirkens wird letzten Endes dem Zuschauer überlassen.