Dieser Mann liebt das Turbulente, das Hysterische, das dramatisch-fiebrige Streben nach einer bombastischen Auflösung, nach derben, aber effektiven Pointen: Harald Sicheritz ist ein Regisseur, dessen Komödien aus ebendiesen Gründen zu den erfolgreichsten heimischen Kassenmagneten zählen - von "Hinterholz 8" (1998), seinem All-Time-High mit fast 620.000 Besuchern, bis "Poppitz" (2002). Im Gegensatz zu seinem bisher letzten Kinofilm "Bad Fucking", der den komödiantisch-satirisch-künstlerischen Tiefpunkt in Sicheritz’ Karriere bildete, hat sich der Spaßmacher unter den österreichischen Regisseuren, der immer gerne auch ein wenig politisch sein will, mit seiner neuen Komödie "Baumschlager" weniger ins Reich des absurd-übersinnlichen Landlebens begeben, sondern direkt an die Grenze zwischen Israel und dem Libanon.

Dort ist der Österreicher Werner Baumschlager (Thomas Stipsits) als UN-Blauhelmsoldat stationiert; er macht aus diesem Freifahrtschein über jegliche Nahost-Grenzen ein kompliziert konstruiertes Sexualleben: Während seine Gattin (Gerti Drassl) daheim in Österreich weilt, beginnt Baumschlager gleich zwei Affären: Eine heftige mit der israelischen Soldatin Sigal (Meyrav Feldman), bei der die Sexspielchen schon mal ein Maschinengewehr beinhalten, und eine mit der jungfräulichen Rania (Moran Rosenblatt), die die Tochter eines libanesischen Generals ist und davon träumt, bald Frau Baumschlager zu werden. Weil Baumschlagers Frau misstrauisch wird, reist sie zu den Golanhöhen, um das Treiben ihres Mannes zu beobachten.

Ein Krieg muss wieder her!

Zeitgleich herrscht zwischen allen Fronten Frieden, was den Soldaten gar keine Freude macht: Nur im Kriegszustand fühlen sie sich wohl, denn im Frieden müssen sie sich die Zeit mit Eheseminaren und Fitness-Programmen vertreiben. Also muss ein Konflikt her, und Baumschlagers sexuelle Umtriebe erweisen sich als der geeignete Anlass dafür. Während die UNO in Wien seinen Fall prüft, wird er auch noch von einem israelischen Gangster mit kompromittierenden Fotos seiner Affären erpresst. Für ihn soll Baumschlager Kokain in einer Kiste voller Orangen vom Libanon nach Israel schmuggeln.

All das klingt reichlich kompliziert, und ist es auch: Sicheritz aber, und das ist eines seiner vortrefflichen Talente, manövriert die Zuschauer mit sicherer Hand durch jeden noch so abstrusen Plot, weil er ein Gespür für Tempi hat; "Baumschlager" ist ob seines Settings natürlich randvoll mit politischen Anspielungen, aber sie dienen Sicheritz und Drehbuchautorin Maayan Oz nur als Kulisse für eine Sexklamotte, die voll ist von stereotypen Figuren und Sexismus in alle Richtungen zulässt.

Zwischen all dem Slapstick und den Verwirrungen rund um Baumschlagers allzu "männliche" Verhaltensweise zeichnet Stipsits die Figur zudem als herzensguten, im Grunde bloß tollpatschigen Chaoten, was genau der Grund für seine Beliebtheit beim weiblichen Geschlecht ist; hier bricht Sicheritz ein Klischee: Denn wie ein unwiderstehlicher Lover sieht Stipsits wahrlich nicht aus.

Die Glaubwürdigkeit des Lustspiels steht und fällt schließlich mit der Sprache. Es gibt eine überwiegend auf Englisch gedrehte Fassung, die aufgrund der verschiedenen Akzente (Stipsits in typischem Austro-Englisch) zusätzlich für launige Momente sorgt. Diese sympathischen Unebenheiten entfallen in der wenig gelungenen deutschen Synchronisation. In jedem Fall aber ist "Baumschlager" eine absurde Komödie, die Satire sein will, dafür aber mit zu vielen Schablonen hantiert. Man lässt Sicheritz vieles aber durchgehen, denn so absurd sein Plot auch sein mag, so weit von der Realität ist er auch nicht entfernt: Possenreißer haben derzeit ja überall auf der Welt Saison.