Die Unterwasser-Blase, in der sich die stumme Putzfrau Elisa (Sally Hawkins) befindet, besteht aus Liebemachen im randvoll gelaufenen Badezimmer, auf dass es von der Decke des unteren Nachbarn tropfen möge. "The Shape of Water" propagiert solche märchenhaften, verträumten, ja richtig romantischen Szenen, weil Regisseur Guillermo del Toro beschlossen hat, daraus ein veritables Märchen über die Liebe zu machen, und zwar eines, das auch Fantasy- und Actionfans zufriedenstellt. 13 Oscarnominierungen heimste "The Shape of Water" dieses Jahr ein, und del Toro gilt als sicherer Anwärter auf den Regie-Oscar, nachdem er bereits etliche Preise gewonnen hat, darunter gleich zum Auftakt den Goldenen Löwen in Venedig, kurz nach der Weltpremiere des Films im vergangenen September.

Was erwartet einen also? Die Geschichte, die Anfang der 60er Jahre spielt, rankt sich um ein mystisches Amphibien-Wesen, ein Alien mit Schuppen, Krallen und Kiemen. Übrigens gefühlvoll gespielt von Doug Jones, wenn sich so etwas im Zeitalter von Computereffekten überhaupt sagen lässt. Elisa arbeitet als Reinigungskraft in einer geheimen US-Einrichtung, in der das Wesen in einem großen Bassin gefangen gehalten wird. Alle haben Berührungsängste mit der Kreatur, bis auf Elisa, die rasch und über die Zeichensprache eine zunächst geheime Verbindung zu dem Wesen aufbauen kann. Mehr noch: Es entwickeln sich eine Art von Liebe und Leidenschaft, denn im Verlauf des Films wird Elisa nicht mehr nur Sex mit sich selbst haben (wie in der ersten Szene des Films), sondern auch mit dem Wassermann.

Natürlich wird die Kreatur auch ordentlich schlecht behandelt, nachdem sich der gewünschte Forschungserfolg durch Richard Strickland (Michael Shannon) nicht einstellt. Folter mit Stromschlägen soll die Kreatur gefügig machen. Elisa sieht es als ihre Pflicht, mithilfe ihres Nachbarn (Richard Jenkins), eines schwulen und darob arbeitslosen Malers, und mit ihrer Arbeitskollegin (Octavia Spencer) einen Plan zu schmieden, um ihren neuen Freund aus der Anstalt zu entführen und ihm die Freiheit zu schenken.

Tribut ans Blockbuster-Muster

An dieser Stelle wird "The Shape of Water" zum leicht vorhersehbaren Tempo-Stück nach Hollywood-Standard, das hätte sich del Toro getrost schenken können. Aber er weiß auch, was er den Fans schuldig ist, die Kino zuallererst als Spektakel begreifen.

Viel wichtiger ist ohnehin, dass del Toro hier auch eine zeitkritische Komponente eingearbeitet hat: Obwohl der Film in der ferneren Vergangenheit spielt, schwingt Kritik am Amerika von Donald Trump mit, das in Extremismen driftet, die man in den 60er Jahren bereits kannte: Stichwort Wettrüsten und Flug zum Mond. Amerika wurde schon damals "great again". So gut das Guillermo del Toro auch herausarbeitet, so ungeniert kopiert er phasenweise die Stimmung seines Films von dem Franzosen Jean-Pierre Jeunet: Der hat bereits öffentlich beklagt, das "The Shape of Water" ein Plagiat sei von seinen Filmen "Delicatessen" (1991) und "Die fabelhafte Welt der Amélie" (2001). Ganz unrecht hat Jeunet (zumindest gestalterisch) damit nicht: Die starke visuelle Anlehnung an die genannten Filme produziert im eingeweihten Zuschauer sofort die Assoziation mit ihnen. Diese schon einmal gesehenen Bilder sind nichts anderes als der Beweis für die verblüffend lange andauernde Kraft ihrer Wirkung.