Trauerarbeit ist vielgestaltig und endlos. Stefan Bohun hat in seinem Dokumentarfilm "Bruder Jakob, schläfst du noch?" seine und die Trauer seiner Brüder verarbeitet, die allesamt ihrem toten Bruder Jakob gilt. Jakob hat sich umgebracht, und die Fragen, die dadurch aufgeworfen werden, sind elementare Fragen des Daseins; darunter befindet sich auch die scheinbar banale Frage nach dem Warum.

Die filmische Spurensuche nach der Antwort beginnt für Bohun in den Tiroler Bergen, wo Jakob immer wieder schon als Kind gewesen war, und führt über Archivaufnahmen aus der Kindheit- und Jugendzeit der Brüder, über die Orte in Portugal, wohin der Bruder ausgewandert war und wo er in einem Spital als Arzt arbeitete, bis hin zu einem Endpunkt: Ein Hotelzimmer im portugiesischen Porto, in dem er sich das Leben nahm.

Die Gedanken der Brüder kreisen viel um Vergänglichkeit und um die Frage, welche Familien-Verantwortung hinter dem Ableben von Bruder Jakob eigentlich steht. Der Film versucht den schmalen Grat zwischen Trauerspiel und distanzierter Aufarbeitung: Die Brüder müssen sich auch manchmal mit viel Körperkraft aneinander reiben, um die Gefühle zu verarbeiten.

Die Gründe für den Selbstmord werden bloß angedeutet, aber nicht auserzählt. Damit bewahrt sich "Bruder Jakob, schläfst du noch?" vor dem Fehler, für einen komplexen Umstand einfache Antworten zu finden; gerade darin liegt seine Qualität: Im Unausgesprochenen die ganz großen Emotionen zu verorten.