Das nervöse Gefühl in der Bauchgegend bleibt. Es zeigt die Angst vor der Verantwortung und die innere Überzeugung, etwas Falsches getan zu haben. Christoph (Laurence Rupp) ist ein junger Rekrut in der Polizeispezialeinheit Wega und hat bei einem Einsatz die Nerven verloren. Er hat bei einem Einsatz einen Mann erschossen, ohne dass es einen Grund dafür gegeben hätte. Und dieser Vorfall bringt ihn jetzt beinahe um; psychisch schwer angeschlagen bleibt Christoph im Dienst, weil sein Vorgesetzter Blago (Anton Noori) ihn deckt. Dieser Mann ist ein "harter Hund", ein Wega-Routinier, der schon alles gesehen hat und den dementsprechend auch vieles kalt lässt. Als Wega-Mann muss man etwas aushalten, das kriegt Christoph von Beginn an mit auf den Weg. Wega-Leute sind keine Streifenpolizisten, sondern echte Männer, die das Abenteuer lieben und suchen, die ihre Muskeln draußen im Feld stählen und nicht im gut beheizten Fitnesscenter. Die den Dreck von der Straße räumen, den menschlichen Dreck. Es ist eine gute Gehirnwäsche, die Christoph da über sich ergehen hat lassen, damit er "dabei" bleibt, damit er fokussiert auf das, worauf es ankommt: Der Kopf muss psychologisch sauber und einwandfrei sein, damit der Wega-Beamte sich zur Elite zählen darf. Zur Krieger-Elite im Kampf gegen das Verbrechen, zum Beschützer der Heimat. Nicht alles hier ist von unzweifelhaftem Gedankengut.

Doch Christoph hält eben nicht durch. Die Bilder von dem missglückten Einsatz lassen ihn nicht los, zerfressen ihn innerlich, und auch Konflikte zwischen seinem Vater (Roland Düringer), ebenfalls ein Wega-Cop, und seinem Vorgesetzten Blago tragen das ihre dazu bei, dass der junge Mann bald am harten Berufsbild zerbricht. Polizeigewalt, legal, aber nicht legitim, ist eben nur etwas für die wirklich harten Kerle.

Regisseur Stefan A. Lukacs legt seinen überaus packend inszenierten Polizeifilm "Cops" als Psychothriller an, verzichtet aber auch nicht auf genügend Action; die ist aber keineswegs die Hauptsache. Vielmehr steht die traumatische Erfahrung des jungen Protagonisten im Zentrum, die Laurence Rupp, mächtig auftrainiert, mit viel Finesse zu illustrieren weiß.

Vorbilder aus dem US-Kino, mühelos nach Wien übertragen

Auch geht Lukacs’ Plan auf, die Beziehungen der Polizisten untereinander als Motor für seine psychologisch gefinkelte Erzählung zu nutzen. Österreichisches Kino, das auf diese Art arbeitet, findet man selten. Da lässt sich Lukacs stark von US-amerikanischen Einflüssen leiten, kann diese aber recht mühelos mit Wiener Lokalkolorit vermengen und schafft so eine sehr authentisch wirkende Übertragung des klassischen US-Cop-Dramas in heimische Gefilde.

Ganz abgesehen von seiner Machart ist "Cops" auch thematisch von Relevanz: Bereits 2012 hatte Lukacs in seinem Kurzfilm "Void" von Polizeigewalt bei einer Abschiebung erzählt, die Geschichte beruhte auf einem wahren Fall. Mit "Cops" blickt er nun kritisch hinter die Kulissen der Elite-Einheit Wega, in der sich die Zeiten durch Terrorangst und steigenden Alltagsrassismus auch verändert haben. Ein bisschen dystopisch entwirft "Cops" das Bild einer Entwicklung in der Exekutive, die es zu verhindern gilt.

Psychothriller

Cops, Ö 2018

Regie: Stefan A. Lukacs.
Mit: Laurence Rupp, Anton Noori, Roland Düringer.