"Halloween - Die Nacht des Grauens" von John Carpenter gilt zu Recht als bahnbrechender Slasher-Klassiker. Bis heute gibt es sieben Fortsetzungen, ein Reboot samt Sequel, zwei Spin-offs. Das bemerkenswerte an der neuen Fassung ist, dass sie alle erzählerischen Varianten der Vorgänger ignoriert, nahtlos an das Original anknüpft. 1978 hatte der aus der Haft entkommene, stoische Mörder mit der weißen Maske die US-Kleinstadt Haddonfield terrorisiert, es besonders auf Laurie (Jamie Lee Curtis) abgesehen, die nur knapp überlebte. Nun sitzt dieser Michael Myers (Nick Castle) seit 40 Jahren abgeschottet von der Außenwelt im Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Anstalt. Die legendäre, aus der Egoperspektive des sechsjährigen Michael gefilmte Eröffnungssequenz, wird hier durch eine großartig gefilmte Totale ersetzt, die zuerst den Pausenhof der Anstalt zeigt, der wie ein Schachbrett aussieht. Gefangene an Ketten müssen in roten und weißen Quadraten stehen, abgegrenzt voneinander. Dann fährt die Kamera hinunter in Richtung Rücken des hünenhaften, gealterten Myers. Als sich zwei investigative Journalisten nähern, beantwortet er ihre Fragen mit totalem Schweigen.

Architektur des Schreckens

Kein Horror, aber doch eine Architektur des Schreckens, symbolische Hinweise auf das Bevorstehende. Dies ist vordergründig klar: Der Irre entkommt, holt seine Maske (basierend auf dem Gesicht von "Captain Kirk" William Shatner) und Waffen und kehrt ins Städtchen zurück. Der Gewaltgrad ist höher als seinerzeit, doch wichtiger ist ein sehr intensives Porträt dreier Generationen, rund um Laurie, ihre Tochter Karen (Judy Greer) und Enkelin Allyson (Andi Matichak). Laurie ist noch immer traumatisiert, hat zwei gescheiterte Ehen hinter sich, lebt abgeschottet in einem dreifach verriegelten Haus, mit einem unterirdischen Schutzraum im Keller. Zudem hat sie Kampftechniken erlernt, sich reichlich mit Waffen ausgestattet.

Sie ist also kein verzweifeltes Opfer mehr, aber doch manisch. Deshalb hatte das Jugendamt ihr einst Karen weggenommen, die sich ein neues Leben aufgebaut hat. Ihre vermeintlich paranoide Mutter wollte sie meiden, die eigene Tochter auch von ihr fernhalten. Doch dann kommt es natürlich, wie Laurie vorausgesehen hat. Jetzt kann sie aber sich und ihre Nachkommen verteidigen. Andere, recht zahlreiche Nebenfiguren haben weniger Glück. Es gibt clevere und überraschende Wendungen, die gut in die Gegenwart passen. Einige Passagen des Originals werden sogar umgedreht. Zwar ist der Horror weniger spannend, was der wirklichkeitsnahen sowie bodenständigen Atmosphäre aber keinen Abbruch tut. Auch das Finale mag nicht so brutal wie erwartet sein, ist dennoch originell. Ein reines Vergnügen, wie Jamie Lee Curtis über ihr kultiges Scream Queen Image hinauswächst, sich auf andere Art austobt. Auch der Nostalgiefaktor wird nicht verleugnet, alles sieht toll aus, es erklingt auch wieder Carpenters (der übrigens als ausführender Produzent mit von der Partie ist) berühmte, dezent modernisierte Pianomelodie im 5/4-Takt.