Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Angelo Soliman aus Afrika nach Europa verschleppt. Eine Comtesse nimmt sich seiner an, spendiert ihm Erziehung, Bildung und die Vorbereitung auf ein Leben im Adelsstand. Soliman bleibt nur scheinbar ein freier Mann, denn eigentlich ist er Diener und in Wahrheit eine Skurrilität in der Wiener Gesellschaft. Er wird als "Hofmohr" bekannt, ist Exponat schon zu Lebzeiten und - in ausgestopfter Form - auch nach seinem Tod.

Die wahre Geschichte dieses Mannes hat Markus Schleinzer nun als Sujet für seinen zweiten Spielfilm nach "Michael" (2011) genutzt; Schleinzer geht dabei fragmentarisch vor, verwebt die wenigen Dinge, die über Soliman bekannt und belegt sind, zu einer Melange aus drei Kapiteln, in denen er Soliman in unterschiedlichsten Lebensaltern zeigt. Als Kind, wie er sozusagen der Ersatz-Sohn für die Comtesse (Alba Rohrwacher) wird, später als Erwachsener, der stets Schauobjekt für die Gäste bei Hof ist und irgendwann die Dreistigkeit hat, eine weiße Frau zu heiraten; Schleinzer besucht Stationen im Leben dieses Außenseiters, und maßt sich nicht an, ein lückenloses Bio-Pic zu drehen, dem die faktische Grundlage ohnehin fehlen würde.

So schafft es Schleinzer, mit seinen strengen, formalistischen Bildern (Kamera: Gerald Kerkletz) den "Hofmohren" regelrecht im 4:3-Format einzusperren und in Tabelaus von der Einsamkeit und dem Streben nach Freiheit zu erzählen. All das wirkt strikt komponiert und wunderbar intensiv.