Wenn Damien Chazelle mit Ryan Gosling zum Mond reist, dann ist schon aufgrund der Mitwirkung dieser beiden Personen davon auszugehen, dass "Aufbruch zum Mond" kein vor Heldenpathos triefendes Patriotenstück geworden ist. Vielmehr konzentriert sich die Geschichte auf den Weg zur ersten Mondlandung und auf das seelische Innenleben ihres wichtigsten Protagonisten Neil Armstrong. Als später erster Mensch auf dem Mond hat er Geschichte geschrieben, und Gosling nähert sich diesem oft verklärten Helden mit Demut; er zeigt auch die Brüche im Leben Armstrongs auf, etwa, als seine kleine Tochter einem Krebsleiden erliegt. Zugleich wird dieser Schicksalsschlag auch seine Motivation stärken, den Schmerz in Arbeit zu ersticken, nämlich in Hinarbeit auf die große Mission, die Amerika als das fortschrittlichste Land der Welt zeichnen soll, im Kalten Krieg, als Russland den Amis oft einen kleinen Schritt voraus war, was das Weltall-Vorhaben anging.

Dieser Armstrong also durchlebt eine Reihe von Rückschlägen, wie das gesamte Raumfahrtprogramm auch; viele der Astronauten sterben schon bei frühen Raketentests, manche sogar am Boden, als ein Testraumschiff explodiert. Die Mission ist bald voller Leichen.

Kein Enterprise-Look

Das größte Verdienst von "Aufbruch zum Mond" ist nicht, dass der Film fast ohne Pathos auskommt und die kühnen Pläne der Nasa mit solider Regieführung in Szene gesetzt werden. Das größte Verdienst ist, dass der Film trotz seines Themas dem Mythos des Futuristischen entgegentritt: Die landläufige Vorstellung von einem Space-Campus mit tollen Lichteffekten, smarten Raumanzügen, automatischen Schiebetüren wie auf der "Enterprise" und lockeren Sprüchen der Crew gibt es hier nicht. Chazelle wählt den gegenteiligen, den realistischen Weg: Hier ist die Technik, sind die Metallteile allesamt von Menschenhand gefertigt, und auch die Raumanzüge sehen nicht futuristisch, sondern eher puristisch aus; Chazelle zeigt, wie profan und primitiv diese ersten Tage der Raumfahrt eigentlich waren. Es waren Maschinen, die man mit großer Explosionskraft und ohne Plan B ins All geschossen hat. Das hat keine futuristische Romantik, das hat etwas Erdiges.

Und deshalb ist "Aufbruch zum Mond" der Film, der bislang am überzeugendsten erleben lässt, wie es sein muss, in der Enge der Raumkapsel mit tonnenweise Sprengstoff unterm Hintern ins All gepresst zu werden: Es ist ein Martyrium, für das man geboren sein muss.