• vom 07.11.2018, 16:26 Uhr

Kultur

Update: 07.11.2018, 16:42 Uhr

Aufbruch zum Mond

Mission ohne Plan B




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Von Matthias Greuling

  • "Aufbruch zum Mond": Neil Armstrongs Weg zum Raumfahrer.

Ryan Gosling spielt Neil Armstrong in Damien Chazelles erdiger Verfilmung der Mondlandung. - © Universal

Ryan Gosling spielt Neil Armstrong in Damien Chazelles erdiger Verfilmung der Mondlandung. © Universal

Wenn Damien Chazelle mit Ryan Gosling zum Mond reist, dann ist schon aufgrund der Mitwirkung dieser beiden Personen davon auszugehen, dass "Aufbruch zum Mond" kein vor Heldenpathos triefendes Patriotenstück geworden ist. Vielmehr konzentriert sich die Geschichte auf den Weg zur ersten Mondlandung und auf das seelische Innenleben ihres wichtigsten Protagonisten Neil Armstrong. Als später erster Mensch auf dem Mond hat er Geschichte geschrieben, und Gosling nähert sich diesem oft verklärten Helden mit Demut; er zeigt auch die Brüche im Leben Armstrongs auf, etwa, als seine kleine Tochter einem Krebsleiden erliegt. Zugleich wird dieser Schicksalsschlag auch seine Motivation stärken, den Schmerz in Arbeit zu ersticken, nämlich in Hinarbeit auf die große Mission, die Amerika als das fortschrittlichste Land der Welt zeichnen soll, im Kalten Krieg, als Russland den Amis oft einen kleinen Schritt voraus war, was das Weltall-Vorhaben anging.

Dieser Armstrong also durchlebt eine Reihe von Rückschlägen, wie das gesamte Raumfahrtprogramm auch; viele der Astronauten sterben schon bei frühen Raketentests, manche sogar am Boden, als ein Testraumschiff explodiert. Die Mission ist bald voller Leichen.

Information

Drama

Aufbruch zum Mond, USA 2018

Regie: Damien Chazelle

Mit Ryan Gosling, Claire Foy, Kyle Chandler, Pablo Schreiber

Kein Enterprise-Look

Das größte Verdienst von "Aufbruch zum Mond" ist nicht, dass der Film fast ohne Pathos auskommt und die kühnen Pläne der Nasa mit solider Regieführung in Szene gesetzt werden. Das größte Verdienst ist, dass der Film trotz seines Themas dem Mythos des Futuristischen entgegentritt: Die landläufige Vorstellung von einem Space-Campus mit tollen Lichteffekten, smarten Raumanzügen, automatischen Schiebetüren wie auf der "Enterprise" und lockeren Sprüchen der Crew gibt es hier nicht. Chazelle wählt den gegenteiligen, den realistischen Weg: Hier ist die Technik, sind die Metallteile allesamt von Menschenhand gefertigt, und auch die Raumanzüge sehen nicht futuristisch, sondern eher puristisch aus; Chazelle zeigt, wie profan und primitiv diese ersten Tage der Raumfahrt eigentlich waren. Es waren Maschinen, die man mit großer Explosionskraft und ohne Plan B ins All geschossen hat. Das hat keine futuristische Romantik, das hat etwas Erdiges.

Und deshalb ist "Aufbruch zum Mond" der Film, der bislang am überzeugendsten erleben lässt, wie es sein muss, in der Enge der Raumkapsel mit tonnenweise Sprengstoff unterm Hintern ins All gepresst zu werden: Es ist ein Martyrium, für das man geboren sein muss.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-11-07 16:37:13
Letzte Änderung am 2018-11-07 16:42:53


Kommentar

Helga Beimer gibt auf

Es ist ein Schock, der nur damit vergleichbar wäre, wenn der ORF den "Moneymaker" einstellen würde. Am Freitag wurde bekannt, dass die ARD gedenkt... weiter





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