Fast nackte Frauen auf Koks, fast nackte Frauen auf Partys, fast nackte Frauen im Pool, fast nackte Frauen beim Sex, fast nackte Frauen traurig, zugedröhnt, ausgebrannt, fast nackte Frauen in einem Spiel, das nur Verlierer kennt.

Dazwischen ein zu aller Korruption bereiter italienischer Premierminister, der Silvio heißt, wir kennen den Nachnamen, den muss Paolo Sorrentino in seinem neuen Film "Loro - Die Verführten" gar nicht erwähnen. Er sieht ein wenig traurig aus, dieser Silvio, so wie ihn Toni Servillo spielt, mit dem eingepflanzten, streng frisierten Haupthaar. Ein junges Mädchen sagt zu ihm: "Sie haben den Atem wie mein Opa, wie ein alter Mann." Silvio hatte da gerade seine Hand auf ihren Oberschenkel gelegt.

Eigentlich müsste diese Witzfigur der Weltpolitik tief traurig und in sich gekehrt den Lebensabend fristen, aber Silvio aus dem Film gibt stets den galanten Grandseigneur, dem Geld nichts bedeutet, der auf Partys singt und sich besingen lässt, der behauptet, noch nie gekränkt worden zu sein, sondern stattdessen voller Ideen steckt, die nicht alle, sagen wir, ganz sauber sind.

Erzählt wird Berlusconis Geschichte ausgehend von darbenden Jahren, als er 2008 zum vierten Mal zurück ins Amt will. Mit einer List gelingt ihm dies - er kauft dazu die Stimmen von sechs Abgeordneten.

Einschleimen bei Silvio mit Nutten auf Koks

Zeitgleich sucht ein aufstrebender und nicht minder korrupter Schleimbatzen namens Sergio Morra (Riccardo Scamarcio) die Nähe zu Silvio, will ihn in seiner Villa auf Sardinien mit Megapartys und eben jenen fast nackten Frauen auf Koks beeindrucken. Das gelingt ihm aber nur zum Teil. Denn Silvio erkennt, wer sich bei ihm einschleimen will.

Ein bisschen ist "Loro - Die Verführten" wie die Fortschreibung von Paolo Sorrentinos oscarprämiertem "La grande bellezza" (2013), gekreuzt mit seiner Altherren-Lethargie "Ewige Jugend" (2015); er arbeitet sich wieder an den selben Themen ab, gibt ihnen diesmal aber einen politischen Anstrich, indem der Film so tut, als wäre er hinter den Kulissen stets dabei gewesen, als Berlusconi seine legendären "Bunga Bunga"-Partys gefeiert hat.

"Loro", was übersetzt "sie" heißt und die Anhängerschaft des Politikers bezeichnen soll, ist keine Abrechnung mit dem System Berlusconi, sondern wirkt wie die Nacherzählung des größten Chaos aller Zeiten: Es gibt kein Land auf dieser Welt, in der jeder jeden schmiert, belügt, hintergeht, schmutzige Geschäfte macht und obendrein die Geschäftspartner mit willigen Nutten beschenkt - außer Italien. Dort, so wettert Sorrentino in seiner opulent umgesetzten Tour de Force, hat alles Übel seinen Ursprung. Und dieses Übel ist stets gut gekleidet. Stilistisch bedient sich Sorrentino daher derselben Mittel wie die Gesellschaft, die er porträtiert: Der Effekt, auf den die "Verführten" hereinfallen, ist derselbe, nach dem auch die Kinozuschauer lechzen: Ein nacktes Frauengesäß ist da der simpelste Nenner, auf den Sorrentino seine Botschaft bringen kann. Das darauf reduzierte weibliche Geschlecht spielt außer beim Sex keine Rolle: Die Mädels sollen lieber brav im Hintergrund mit dem Popo wackeln, wie im italienischen Fernsehen. Ein ganzes Land als übergroßes Puff? Zumindest für die Reichen muss es sich so darstellen. Hut ab, Signore Sorrentino. Sie haben da etwas verdammt richtig gesehen.