• vom 16.01.2019, 16:35 Uhr

Kultur

Update: 16.01.2019, 17:03 Uhr

Fahrenheit 11/9

Gegenwind für Donald Trump




  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Matthias Greuling

  • Michael Moore hat in Donald J. Trump wieder einen probaten Gegenspieler im Weißen Haus.

Trumps Amerika zwischen Coca Cola und Waffenverliebtheit: Michael Moore untersucht in "Fahrenheit 11/9" diese Befindlichkeit. - © Polyfilm

Trumps Amerika zwischen Coca Cola und Waffenverliebtheit: Michael Moore untersucht in "Fahrenheit 11/9" diese Befindlichkeit. © Polyfilm

Nach dem Abgang von George W. Bush sind dem dokumentarischen Polemiker Michael Moore beinahe die Themen für seine provokanten Filme ausgegangen; nach großen und berechtigten Erfolgen seiner zynischen Rundumschläge gegen amerikanische Missstände (andere sagen: Grundwerte) wie Waffenbesitz oder Terrorkriege ("Bowling For Columbine", beziehungsweise "Fahrenheit 9/11") ist dieser Kämpfer für das Gerechte, dieser schwergewichtige Robin Hood aus dem öffentlichen Bewusstsein fast verschwunden; er bildete stets den Gegenpart zu jenen, die er kritisierte, und was bei Bush perfekt funktionierte, war bei Obama schon wieder nicht so einfach.

Jetzt hat Moore (endlich?) wieder einen probaten Gegenspieler im Weißen Haus, auf den er sich so herrlich süffisant und intensiv einschießen kann, wie er es eigentlich selbst bei Bush nicht tat. "Fahrenheit 11/9" ist nun nicht auf 9/11 fokussiert, sondern auf den 9. November 2016, in dessen frühen Morgenstunden zur Überraschung aller die Wahl von Donald J. Trump zum US-Präsidenten verkündet wurde. Die offenen, staunenden Münder der ungläubigen Amerikaner über Trumps Sieg bilden den Auftakt zu diesem Pamphlet gegen den amtierenden US-Präsidenten, einem neuerlichen Rundumschlag, der aber nicht allein Trump die Misere zuschiebt, sondern die Verantwortung für Trumps Präsidentschaft auch bei seinen politischen Gegnern sucht und - nach Moore’schen Maßstäben - dies ebenso launig wie zynisch abhandelt. Sogar das verseuchte Wasser, das die Bürger von Moores Heimatstadt Flint, Michigan, jahrelang getrunken hatten, war irgendwie auch Trumps Schuld - und außerdem zugleich auch die von Obama. Wenn es also Missstände gibt, dann ist Moore mit seiner Polemik gnadenlos. Und er ist auch ein Aktivist: Dem Gouverneur von Michigan bringt er etwa eine Tankladung verseuchtes Flint-Wasser zu dessen Villa und spritzt es in seinen Garten.

Information

Dokumentarfilm

Fahrenheit 11/9, USA 2018

Regie: Michael Moore

Mobilmachen

Michael Moore ist also zurück, fast in alter Stärke. Viele seiner Argumente sind stichhaltig, auch, wenn sie mit seriösem Journalismus nichts zu tun haben. Doch das will Moore gar nicht behaupten, wollte er noch nie! Ihm geht es auch und vielmehr um das Aufzeigen und um das Mobilmachen, um das Aktivwerden. Bei dem weltweiten Gegenwind, den Trump entfacht, dürfte es für Moore ein Leichtes sein, genug Gehör für seinen Protestfilm zu finden. In seiner Machart ist "Fahrenheit 11/9" dem gängigen Moore-Schema treu geblieben: Eine große Mischung aus TV-Aufnahmen und News-Material mischt er mit eigenen Recherchen, Auftritten vor der Kamera und Aktionen.

Daraus entwickelt sich auch hier wieder ein überaus unterhaltsamer Film mit etlichen Seitenhieben auf die realpolitischen Verhältnisse in den USA. "Fahrenheit 11/9" trägt sein Anliegen dabei mehr als lautstark vor sich her; er stellt - dem Antlitz Trumps in die Augen blickend - die wirklich wesentlichste aller Fragen: "How the fuck could this happen?"





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2019-01-16 16:47:28
Letzte Änderung am 2019-01-16 17:03:35



Kommentar

Kunst und Moral

Schon wieder der Gabalier! Nachdem der österreichische "Volks-Rock’n’Roller" den Karl-Valentin-Orden einer Münchner Faschingsgilde... weiter





Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. "Hausaufgaben versauen die Lust"
  2. Simon Ploetzeneder Quartet: 145th & St. Nick’s
  3. Billie Eilish: Teenage Angst und leiser Horror
  4. Die musikalische Wohlfühloase von Juleah
  5. Jessica Pratt: Kindlich und unendlich alt
Meistkommentiert
  1. Grammys: Ein Hoch auf die Frauen
  2. Billie Eilish: Teenage Angst und leiser Horror

Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.



Werbung