Mit den Pfeiftönen eines LKWs, der gerade ein Bühnenbild transportiert und den Werkstätten des Burgtheaters, die an Werkhallen erinnern, beginnt der Dokumentarfilm "Die Burg". Der Wiener Dokumentarfilmer Hans Andreas Guttner entwirft darin in 95 Minuten eine faszinierende Chronik des Arbeitsalltags einer der größten deutschsprachigen Bühnen.

Man erlebt Burg-Schauspieler Nicholas Ofczarek, Fabian Krüger und Katharina Lorenz bei der Arbeit, sieht sie ungeschminkt bei Leseproben, halbgeschminkt in der Garderobe, während sie sich auf den Auftritt vorbereiten und komplett in Maske und Kostüm unmittelbar auf dem Weg zur Bühne. Da wird miteinander geblödelt, und im nächsten Augenblick geht es schon wieder um Sein oder Nichtsein.

Dieses Changieren von Banalität und Tiefgang, von Humor und Nachdenklichkeit entwickelt im Lauf der Handlung einen ungeheuren Sog.

Aber nicht nur Burg-Schauspieler treten in "Die Burg" auf den Plan, vielmehr porträtiert der Film eine ganze Reihe an charismatischen Nebenfiguren. Von der Klofrau, die selbst einmal Revuetänzerin war, und dem Garderobier, der sich noch an die Peymann-Ära erinnert, bis hin zu Perückenmacherinnen, Schneiderinnen und Tontechnikern bildet "Die Burg" die Maschinerie eines großen Kulturbetriebes ab, legt offen, was sonst verborgen bleibt.

Dabei werden die Handwerker des Betriebs den Bühnenkünstlern gleichgestellt. Auf diese Weise liefert "Die Burg" erstaunliche Ansichten vom geheimen Innenleben des Burgtheaters.