1973 wurde Homosexualität aus der offiziellen Liste psychischer Störungen gestrichen. Trotz Beweisen, dass "Konvertierungs"-Behandlungen nicht funktionieren und bei Jugendlichen seelische Schäden verursachen können, sind sie noch immer in 36 Bundesstaaten erlaubt. Auch religiöse, spirituelle Berater werden oft von den Verboten ausgenommen. Die Methoden reichen von Gesprächen und fragwürdigen Behandlungen, bis hin zu Foltermaßnahmen. Von 700.000 durch "Konversationstherapien" getriebenen, sollen fast 80.000 LGBTQ-Jugendliche unter 18 Jahren sein.

Darauf weist der Abspann von "Boy Erased" hin, beruhend auf der Autobiografie-Erzählung von Garrard Conley. Die Leidensgeschichte beginnt 2004 in Arkansas, umgeben von Vorurteilen, Ressentiments. Der Vater von Jared ist Baptistenprediger (Russell Crowe), seine Mutter (Nicole Kidman) zärtlich, aber hilflos. Als sich der 19-Jährige als schwul outet, muss er am streng nach der Bibel ausgerichteten Kurs teilnehmen, geleitet von einem selbst ernannten Therapeuten (Joel Edgerton). So soll seine Neigung ausgelöscht werden. Bis er sich aus der Unmenschlichkeit freistrampeln kann, durchlebt Jared den ganzen Wahnsinn.

Ein erstaunlich ruhiges, aber hochintensives, wuchtiges Porträt, das auch kritische Blicke auf einen Teil der US-Gesellschaft wirft, die sich durch Trump durchaus bestätigt sieht. Neben den prominent besetzten Eltern liefert Nachwuchsstar Lucas Hedges eine beeindruckende Leistung.

Biopic

Der verlorene Sohn, USA 2018

Regie: Joel Edgerton

Mit: Lucas Hedges, Nicole Kidman, Russell Crowe