Maximal zweieinhalb Mimikbewegungen gehen sich für Anthony Hopkins in seiner Maske als Alfred Hitchcock aus. - © centfox
Maximal zweieinhalb Mimikbewegungen gehen sich für Anthony Hopkins in seiner Maske als Alfred Hitchcock aus. - © centfox

Es gibt Filme, und es gibt die Aneinanderreihung von Bewegt-Bildern. Im besten Falle ist Letztere irrelevant, im schlimmsten ein Ärgernis. "Hitchcock" von Sacha Gervasi bewegt sich irgendwo dazwischen, vor allem aber ist diese Bildreihe nach dem berühmten Roman von Stephen Rebello einfach nur lächerlich. Das ist ein ziemlich hartes Wort, aber wer zwei Stunden lang dabei zusieht, wie Anthony Hopkins, zugepappt mit einer grotesken Silikonmaske, die ihm Raum für zweieinhalb Mimikbewegungen lässt, hauptsächlich den Kühlschrank leer räumt, mit den zahlreichen Frauen in seinem Leben flirtet und dazwischen mal ans Set geht, um "Psycho" zu drehen, dem bleibt nur noch Lachen oder Durchdrehen.

Selbstredend: Kein einzelner Film könnte es leisten, das Werk des "Meisters der Suspense" wirklich aufzuschlüsseln, dieser Künstlerpersönlichkeit zwischen inspiriert-genialem Regisseur, egomanischem Tyrann und PR-geschultem Selbstinszenierungsprofi nachzugehen und dessen Filme wie "Vertigo" oder "Im Schatten des Zweifels" ausreichend zu analysieren und den Einfluss ihrer visuellen Virtuosität auf die Autorenfilmer der Nouvelle Vague zu erklären - dafür gibt es Bücher.

Obsession mit Blondinen


Aber was Gervasi hier macht, gleicht fast schon einem Affront - nur müsste man ihm dafür böswillige Absicht unterstellen, und selbst die würde mehr künstlerische Kreativität voraussetzen als diese platte Reproduktion von Allgemeinwissen: Direkt nach seinem Erfolg mit "North by Northwest" - am Beginn der letzten Phase seines Arbeitslebens - hat er an "Psycho" zu arbeiten begonnen, zerstritt sich aber mit dem Studio und finanzierte den Film aus eigener Tasche. Doch (zumindest in diesem Film) viel wichtiger waren ihm die Probleme mit seinen Frauen; seine generelle Obsession für Blondinen, seine komplizierte Beziehung zu Schauspielerin Vera Miles, seine Faszination für Janet Leigh (Scarlett Johansson) und dann noch die Ehe mit Schreib-Partnerin Alma Reville (Helen Mirren, die, man braucht es nicht zu erwähnen, sogar dann gut spielen würde, hielte sie ein zweistündiges Mittagsschläfchen). Gervasi macht das auch noch zu einer biederen Lektion in Küchenpsychologie über Mutterkomplex und den Kampf gegen innere Dämonen, vor der sogar Rosamunde Pilcher aus Ranzigkeitsgründen zurückschrecken würde. Apropos: Das Bild von Hollywood, das Gervasi hier - ernst gemeint historisch - zeichnen will, ist so klischeehaft, wie ein Shetlandpony schottisch ist.

Dadurch, dass diesem Film schlicht jedes selbstreflexive Element fehlt (die Diskussion über die Objektifizierung der Frau suche man bitte auch nicht hier behandelt), wird sein essenzielles Manko nur noch sichtbarer: Wie soll man einen Film über jemand Kreativen machen, wenn man selbst überhaupt keine Ideen hat?