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Mehr freudlos als wild gelebt

(fan) In "Die wilde Zeit" blickt Olivier Assayas in einer autobiografisch gefärbten Rückschau auf die Nachwehen des französischen Revolutionsmonats Mai 1968 zurück. Im Zentrum steht der junge Gilles (Clément Métayer), Kunststudent, linksradikal und anarchistisch, der seinen Weg sucht. Dabei vermischen sich persönliche und politische Vorstellungswelten zwischen Leben und Kunst. Der Regisseur setzt zwar die Einblicke in die damaligen Lebensgefühle leichtfüßig, nostalgiefrei und mit einem sorgfältigen Soundtrack um. Jedoch gerät die Zustandsschilderung zu zurückhaltend und ruhig, um Anteil an der heute oftmals als absurd empfundenen, bis in die Freudlosigkeit abgleitenden Sicht auslösen zu können.

Die wilde Zeit, F 2012
Regie: Olivier Assayas
Mit: Clément Métayer, Lola Creton, Félix Armand

Artifizielles Frauenporträt

(fan) Die 21-jährige Jane (Dree Hemingway) lebt mit ihrer Kollegin Melissa (Stella Maeve) und dem gemeinsamen Kumpel Mikey (James Ransone) in einem Haus in San Fernando Valley, dem Zentrum der US-Porno-Industrie. Als die drei einschlägig aufstrebenden Sternchen nach einem Flohmarkt-Einkauf in einer Thermoskanne 10.000 Dollar entdecken, entschließt sich Jane, den Großteil zurückzugeben. Doch die Besitzerin, eine alte Dame, grantelt nur. Aus anfänglichem Misstrauen entsteht mit der Zeit eine seltsame Generationen-Verbindung. Ein ziemlich artifizielles Independent-Frauenporträt, rund um Vertrauen, Verrat, Einsamkeit und Scheinwelt, irgendwo zwischen "Irma La Douce" und "Harold und Maude".

Starlet, USA 2012
Regie: Sean Baker
Mit: Dree Hemingway, Besedka Johnson, James Ransone

Musikantenstadler auf weiter Tour

(fan) Seit über 20 Jahren steht Marc Pircher auf der Bühne und trällert erfolgreich seine volkstümelnden Lieder. Aber nicht nur live, auch im TV ist er Stammgast. Nun begleiteten die beiden Filmemacher den "gnadenlosen Selbstvermarkter" (so ein heimischer Musikprofi) über ein Jahr bei seinem Geschäft, das brutale Knochenarbeit zwischen Licht und Schatten bedeutet. Was aber wohl längst nichts Neues mehr ist. Die Kamera bleibt dicht an Pircher, ohne ihm aber menschlich näher zu kommen. Wer sich über diese Musikantenstadl-Welt der Illusionen berauben will, dem sei diese Doku durchaus empfohlen. Darüber hinaus bietet sie jedoch herzlich wenig interessante Aspekte.

Schlagerstar, A 2013
Regie: Marco Antoniazzi, Gregor Stadlober