Godzilla lässt grüßen: Außerirdische Monster tauchen aus den Weltmeeren auf und wollen die Menschheit vernichten. - © Warner Bros.
Godzilla lässt grüßen: Außerirdische Monster tauchen aus den Weltmeeren auf und wollen die Menschheit vernichten. - © Warner Bros.

"Es ist, was es ist, sagt die Liebe", heißt es bei Erich Fried, und üblicherweise reicht das als Antwort. Guillermo del Toros neuer Film "Pacific Rim" ist Riesenmonster gegen Gigantenroboter, aber plötzlich herrscht Verwirrung. Es scheinen andere Maßstäbe zu gelten, wenn ein unter Cineasten geschätzter Regisseur einen Blockbuster inszeniert, der ohne Meta-Ebene auskommt: Sind sinnfreie Maschinen-Death-Matches nicht das Revier von Michael Bay, und müsste eine sauteure Materialschlacht nicht zumindest den Ursprung der Menschheit erklären, wie etwa zuletzt Propheteus, äh "Prometheus"?

Liebe zum Detail


Nein, es geht viel ehrlicher und trotzdem nicht vulgär. Del Toro, der zwar mit Arbeiten wie "Pans Labyrinth", aber auch "Hellboy" und "The Devil’s Backbone" zeigte, wie originell und detailverliebt er fantastisch-surreale Innenwelten gestalten kann, hegte immer auch ebenso viel Liebe für seine Filme wie "Cronos" oder "Mimic - Der Angriff der Killerinsekten". Hauptsächlich, weil er offenbar nicht verlernt hat zu spielen.

In "Pacific Rim" gibt es nun eine Szene, in der ein Newton-Pendel vom Nahen der Kaiju, der Riesenmonster, kündigt. Platziert auf dem nüchternen Schreibtisch, schlägt es mahnend aus und erinnert uns an die bebende Kaffeetasse einst in "Jurassic Park" - doch das Büro ist menschenleer. Auch, weil es hier niemanden gibt, um den man sich ernsthaft Sorgen macht, ausgenommen das Kaiju vielleicht, das zwar die Welt zerstören will, aber doch nur, weil es selbst einer gejagten Spezies angehört und von fiesen Dealern wie Hannibal Chau (Ron Pearlman) als in Formaldehyd eingelegte Trophäe verkauft wird.

In der Gleichgültigkeit gegenüber seinen menschlichen Figuren offenbart der Film eine Schwäche, und zwar deshalb, weil er sie nicht konsequent durchzieht. In einer deutlichen Kompromisshaltung, gewisse Erzählkriterien schlicht aus Vermarktbarkeitsgründen erfüllen zu müssen, kreierten del Toro und sein Drehbuchautor Travis Beacham einen Plot um die "Jaeger", jene Roboter, die im Kampf gegen die Kaiju eingesetzt werden.

Metapher für Teamwork


Sie können nur von jeweils zwei Piloten im Inneren gesteuert werden, die miteinander in einen sogenannten "Drift", eine emotionale und intellektuelle Verbindung, treten - im Prinzip eine Metapher für gut funktionierendes klassisches Teamwork.

Das zentrale "Pärchen" hier sind der Pilot Raleigh Becket (Charlie Hunam) und seine traumatisierte, aber reaktionsschnelle Partnerin Mako Mori (Rinko Kikuchi). Ihre Lebensgeschichten werden angerissen, aber, bis auf eine Sequenz um Mako Mori, dramaturgisch nicht stimmig eingebaut. Auf die gleiche Weise bleiben auch die archetypischen Konflikte unterentwickelt, werden beinahe zu Störfaktoren in den Kämpfen zwischen Kaiju und Jaeger, meisterlich kontrolliert und absolut elegant inszeniert. In diesen Szenen spürt man die Begeisterung und die Leidenschaft dieses Regisseurs für das Genre am deutlichsten, sowie sein Talent, mit den Augen eines inneren Kindes zu sehen. Und irgendwann erdenkt sich das einen Monsterfilm ganz ohne Menschen.