Auf der Flucht: Anwalt Jim Grant (Robert Redford) wird wegen seiner Vergangenheit bei einer Untergrundorganisation gejagt. - © Constantin
Auf der Flucht: Anwalt Jim Grant (Robert Redford) wird wegen seiner Vergangenheit bei einer Untergrundorganisation gejagt. - © Constantin

Er hat sich hübsch eingerichtet in seinem typischen "American Home", mit großer Küche, großer Garage, großem Garten. Aber hinter dieser Kulisse des Amerikanischen Traums bleibt das Unbehagen. Jim Grant (Robert Redford) ist nämlich gar nicht Jim Grant. Die letzten 30 Jahre hat der Mittsiebziger Karriere als Anwalt gemacht und sich Ansehen und Wohlstand erarbeitet. Aber die Zeitung, die er heute zum Frühstück liest, verheißt Gefahr. Dort wird von einer Frau (Susan Sarandon) berichtet, die vom FBI festgenommen wurde, weil sie früher als Mitglied der linksextremen Untergrundbewegung "The Weather Underground" an Anschlägen gegen die US-Staatsgewalt beteiligt gewesen sein soll. Es gab Banküberfälle, Sprengstoffanschläge auf Regierungsgebäude, Tote. Ein bisschen RAF auf Amerikanisch.

Das FBI nennt die dereinst untergetauchten und bis heute verdeckt lebenden Mitglieder der Gruppe Terroristen, aber sie waren keine, suggeriert Redfords neue Regiearbeit "The Company You Keep": Sie wollten die Ideale des eigenen Landes gegen die Machenschaften der US-Regierung verteidigen, notfalls auch mit Gewalt. Sie waren Vietnamkrieg-Gegner, und zwar radikale.

Identitätswechsel


Auch Jim Grant war einer von ihnen: Er hat seine Identität gewechselt. Der junge Journalist Ben Shepard (Shia LaBeouf), heftet sich an seine Fersen, konfrontiert Grant mit seiner Vergangenheit, und bald wird aus der anfänglichen Identifikationsfigur ein Gehetzter, in dessen Haut man lieber nicht stecken will. Die Frage, der Robert Redford in "The Company You Keep" nachgeht, lautet: Wie stehen die Gejagten heute zu ihrem damaligen Handeln und wie halten sie dem Druck stand, der nach so vielen Jahren über sie hereinbricht?

Redford ist als Filmemacher weniger am tatsächlichen historischen Hintergrund der Buchvorlage von Neil Gordon interessiert als vielmehr an einem Bezug zum Heute. In seiner letzten Regiearbeit "Die Lincoln Verschwörung" (2010) hat er das noch im metaphernschwangeren, historischen Gewand versucht, als er zwischen den Zeilen einen Brückenschlag von der Lincoln-Ermordung zum Post-9/11-Trauma zog. Jetzt hingegen verhandelt er aus heutiger Sicht lange zurückliegende Ereignisse. Ganz beiläufig geht Redford dabei mit dem Wandel seines Helden zum vermeintlichen Antihelden um: Grant ist anfangs sympathische Lichtgestalt, wird später als Gejagter aber trotzdem nicht zum Buhmann beim Publikum. Das funktioniert, weil hier, wie immer bei Redford, auch hehre Ideale mitspielen: Grant ist in der Diktion des Films stets mehr Freiheitskämpfer als Terrorist, weil er für die "richtige" Sache kämpfte. Redford operiert von einer liberal geprägten Basis aus, die (subjektiv empfundene) Gerechtigkeit über die als Unrecht empfundenen Methoden der Staatsgewalt stellt.

Die überaus geradlinige Machart von "The Company You Keep" korrespondiert dabei mit der Intention des Regisseurs, effektarmes, aber suspensegeladenes Drama zu inszenieren; hier will Redford ohne große Kunstfertigkeit und also in größtmöglicher Klarheit seine Message transportieren: Eine Neudefinition des Amerikanischen Traums, befreit von den ausufernden Wildwüchsen amerikanischer "Homeland Security". Ein Denkprozess, den ganz Amerika dringend nötig hätte.

Polit-Thriller

The Company You Keep - Die Akte Grant, USA 2012

Regie: Robert Redford. Mit Robert Redford, Shia LaBeouf, Susan Sarandon, Nick Nolte