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Update: 18.09.2013, 16:08 Uhr

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Von Matthias Greuling

  • Zu viele Menschen auf der Erde? "Population Boom" von Werner Boote zweifelt das an

Wer frisst hier wen? Die Mär von der Überbevölkerung werde von jenen verbreitet, die sich weiter bereichern wollen, so Boote. - © Thimfilm

Wer frisst hier wen? Die Mär von der Überbevölkerung werde von jenen verbreitet, die sich weiter bereichern wollen, so Boote. © Thimfilm

Würden alle sieben Milliarden Menschen, die derzeit auf der Erde leben, nach Österreich ziehen, dann stünden jedem von ihnen elf Quadratmeter Platz zur Verfügung, rechnet Werner Boote vor. Das ist immerhin mehr, als ein Häftling in seiner Zelle hat, lautet seine Schlussfolgerung. Der Rest der Welt wäre dann unbewohnt - wo also kommt die Mär von der Überbevölkerung her?

In seinem neuen Dokumentarfilm "Population Boom" relativiert Boote dieses Gespenst von der zu rasch wachsenden Menschenzahl. Dass eine Milliarde Menschen weltweit hungern muss, läge nicht an der Überbevölkerung und einer daraus resultierenden Nahrungsmittelknappheit, sondern am System selbst: Nahrungsmittel gibt es mehr als genug, auch Platz, allein: Beides gehört nicht den Armen, sondern den Reichen, und die trennen sich allzu ungern davon.

Information

Dokumentation
Population Boom, A 2013
Regie: Werner Boote


Werner Boote hat dem Phänomen der ungerechten Verteilung der Güter in sehr persönlicher Weise nachgespürt, indem er (wie schon in "Plastic Planet") selbst durch den Film führt. Man sieht ihn im Menschengewühl von New York und Tokio, in den Slums der Dritten Welt oder auf dem Dach eines überfüllten Zuges in Indien; man erfährt, dass in China durch die Ein-Kind-Politik mittlerweile 30 Millionen Frauen "fehlen".

Leidenschaftliche Polemik
"Population Boom" ist denn auch kein Dokumentarfilm im klassischen Sinn, sondern eine leidenschaftliche Polemik gegen die Ungerechtigkeit, die Boote mit allerlei Fakten anreichert: Jährlich sterben weltweit mehr Menschen an Hunger, als Österreich Einwohner hat. Dazu stellt der Wiener Filmemacher Bilder, die das Problem der "Überbevölkerung" treffend illustrieren: Während in den Städten vor allem die Menschen aus den armen Bevölkerungsteilen zusammengepfercht in winzigen Behausungen leben müssen, führt ihn ein Afrikaner ins Hinterland auf eine Anhöhe, auf der man das schier endlose, durchaus fruchtbare Land überblicken kann: "Glauben Sie immer noch, dass Afrika überbevölkert ist?", fragt ihn der Mann angesichts dieses Weitblicks.

Bootes Geschick im Umgang mit der Struktur seiner Filme besteht darin, dass er seine Themen scheinbar gemeinsam mit dem Publikum erarbeitet, indem er wie ein "Entdecker" durch die Schauplätze seiner Handlung streift. Es ist modern geworden, auf diese Weise den Reiz von an sich "sperrigen" Themen wie Umweltverschmutzung, Ressourcenverschwendung, Klimawandel oder Polit-Missständen zu erhöhen. Michael Moore hat vor Jahren mit seinen höchst polemischen Filmen den Bann gebrochen, hin zu einem Dokumentaristen-Kino der Absichten anstatt der nüchtern-trockenen Faktensammlung.

Im Fall von "Population Boom" ist die Absicht des Filmemachers, einen Denkanstoß zu geben, klar erkennbar: Reichtum bedeutet nicht bloß die Anhäufung von Geld, sondern die Macht zur Verteilung der Güter. Und diesen Umstand tut Boote möglichst zugänglich und unterhaltsam kund.

Wirkliche Kino-Bilder findet er dafür aber nicht: "Population Boom" würde sich filmisch eher für einen Themenabend bei Arte eignen.


Video auf YouTube




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Dokumenten Information
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Dokument erstellt am 2013-09-18 15:50:03
Letzte Änderung am 2013-09-18 16:08:27


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