Filme, die mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten, sind der Feind des Mainstream - und Mainstream-Produzenten, die solche Filme "zurechtbiegen" wollen, sind der Feind des Arthouse-Kinos. Als also Hollywood-Studio-Produzent Harvey Weinstein vergangenes Jahr ankündigte, 20 Minuten der englischen Version von Bong Joon-hos neuem Film "Snowpiercer" zu schneiden, damit der Film "auch dem Publikum in den USA" verständlich würde, gingen nicht nur die treuesten Fans des südkoreanischen Regisseurs auf die Barrikaden.

Mit 126 Minuten in seiner Orginalversion ist "Snowpiercer" ohnehin unschneidbar, dafür ist er konzeptuell zu dicht und speist sich viel zu sehr aus absurdem Humor in kleinsten Szenen. Die Geschichte, die auf einer französischen Graphic Novel basiert, spielt in einer nahen Zukunft (2031), 17 Jahre, nachdem der Kampf gegen die globale Erwärmung mit einer chemisch globalen Kühlung geführt wurde - und die Erde in ein gefrorenes Niemandsland verwandelt hat.

Ein Hauptmotiv in diesem Film ist das Auseinanderklaffen von Reich und Arm - und ebenso verhalten sich die grundsätzlich guten Ideen in "Snowpiercer" zu einer hohlen und unterentwickelten Erzählebene: so gut wie unvereinbar. Trotzdem - und auch trotz der plumpen Metapher eines sich durch den gesamten Film ziehenden Zuges - ist "Snowpiercer" ein bemerkenswerter, wenn auch unperfekter Kommentar zum Klassenkampf. Und schon allein aus Protest gegen Weinstein sehenswert.

Action/Drama/Sci-FI

Snowpiercer, Südkorea/USA/F/CZ, 2013

Regie: Bong Joon-ho. Mit: Chris Evans, Jamie Bell, Tilda Swinton.