Streng genommen muss man sagen: Jemand, der es schafft, aus einem nur 34 Seiten "dicken" Bilderbuch für Kinder ("Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen") oder allein basierend auf der kollektiven Nostalgie, die wir gegenüber gewissen bunten Plastiksteinchen hegen ("Lego Movie") über die Maßen gelungene, abend-, nachmittags- oder auch morgenfüllende Spielfilme zu fabrizieren, kann so viel nicht mehr falsch machen.

Phil Lord und Christopher Miller haben nicht nur ein gutes Gespür für popkulturelle Phänomene, sie können dies auch innovativ visualisieren. 2012 nahmen sie sich die 1980er Fernsehserie "21 Jump Street" vor und zeigten in komprimierter Form, wie witzig und subversiv gerade das "Polizeifilm"-Genre immer wieder sein kann. Die TV-Serie um eine Gruppe junger Cops, die undercover an amerikanischen High Schools ermitteln und nebenbei zeitaktuelle soziale Brennpunkt-Themen (Aids, Homophobie) touchierten, blieb vor allem deswegen in Erinnerung, weil sie für Johnny Depp dasselbe war wie "Emergency Room" für George Clooney: Der Kickstart im Filmbusiness.

Unterschätzter Star


Lord und Miller leisteten mit ihrem ersten Jump-Street-Film Ähnliches für einen permanent unterschätzten Schauspieler: Channing Tatum. An der Seite von Jonah Hill (nicht minder talentiert, aber weniger oft missachtet), spielt Tatum nun auch im Sequel, "22 Jump Street" wieder den emotionalen Counterpart in dieser schicksalshaften Paarung, die man gemeinhin "Ermittlerduo" nennt; das Ying - oder das Yang sozusagen - jedenfalls den "Bro" in dieser Bromance, einer Mischung aus brüderlichem Buddy-Movie und getarnter Romanze.

Nach den Spielregeln eines Plots, den es nicht gibt, machen Schmidt (Hill) und Jenko (Tatum) nahtlos weiter, was sie so hervorragend nicht können, zum Beispiel für Recht und Ordnung sorgen oder auch analytischen Verstand beweisen. Sie sollen einen Drogendealer an einer Uni ausfindig machen - und weil maximal den anderen auffällt, dass sie definitiv nicht mehr jung genug aussehen, um Studenten sein zu können, übernehmen sie diese Aufgabe gewohnt selbstbewusst.

Weil es nun aber relativ platt ist, ein Sequel zu machen, das meistens platt ist, hat es sich bei besonders zeitgeistigen Hollywood-Regisseuren eingebürgert, das gleich selbst anzusprechen. "Hallo, mein Name ist 22 Jump Street, und ich bin ein Sequel", lassen Lord und Miller ihren Film gleich eingangs sagen und laden zur gemeinschaftlichen Gruppentherapie. Meistens sind die Gags gelungen, sehr oft passieren sie aber nebenbei und im Hintergrund und leiden mit Sicherheit unter der deutschen Synchronisation. Hauptsächlich ist "22 Jump Street" ein Film über Männerfreundschaften, aber nur so körperlich, wie das verkappt keusche Hollywood es eben zulässt. Jedenfalls bietet er erneut Gelegenheit zu sehen, wie gut Tatum auch in Komödien sein kann. (Den Poetry-Slam-Auftritt von Schmidt/Hill schlägt er allerdings nicht.) Wie das aber mit massentauglicher Subversion - ausgenommen: "Die Simpsons" - so ist, wird die Meta-Ebene irgendwann von ihrer Selbstreferenz unterwandert und lässt wenig mehr übrig als eine bunte Hülle.