Bereits in der Eingangssequenz wird die Zwiespältigkeit und Exaltiertheit des "Godfather of Soul" eingeführt. Weil jemand seine
Toilette benutzte, stürzt er sich mit einer Schrotflinte in das benachbarte Geschäft und hält eine wirre, drohende Klo-Moralpredigt. Doch damit hat es sich weitgehend mit den vielen Schattenseiten der Funklegende James Brown. Es bleibt bei Schlaglichtern, wie etwa seine sexuellen und gewalttätigen Exzesse, die ihm Gefängnisaufenthalt einbrachten. Das 139 Minuten lange Biopic wird auch nicht chronologisch durchgezogen, sondern widmet sich in Puzzle-Rückblenden diversen Lebensabschnitten. So erfährt man nur skizzenhaft etwas über Browns überaus schwierige Kindheit.

Als wichtigster Moment wird die Entdeckung seiner Liebe zur Musik herausgestrichen. Der Fokus liegt auf seinem Aufstieg zum ebenso genialen wie schwierigen Superstar. Wobei jedoch nicht verschwiegen wird, wie nervig er mit seinen Mitarbeitern umging.

Auch wenn Brown etwas zu sehr mit Samthandschuhen angefasst wird, was dem Spannungsbogen nicht unbedingt nutzt, entschädigt dafür die mitreißende Musikperformance und Neuerfindung der künftigen Pop-Szene. Dass die exzentrische Hauptfigur permanent fasziniert, liegt vor allem am großartigen Chadwick Boseman. Der Afroamerikaner reiht sich mit seiner überragenden Leistung in Augenhöhe mit Jamie Foxx ("Ray") oder Joaquín Phoenix ("Walk the Line") ein. Damit gehört er zur Gilde heißer Oscar-Anwärter.