Eine Gruppe Dschihadisten, die ein Dorf übernehmen und in tyrannischer Herrschaft gnadenlos willkürlich regieren. Was sich 2012 in Nordmali abspielte, als Tuareq-Rebellen die Abspaltung des Staates Azawad proklamierten, passiert in vielen Gebieten auf der ganzen Welt, vor allem aber immer wieder in Nordafrika. Im verschärften Konflikt mit Islamisten konnten diese 2013 durch die von Frankreich initiierte "Operation Serval" zurückgedrängt werden.

Der akklamierte mauretanische Regisseur Abderrahmane Sissako entwirft in seinem neuen Film "Timbuktu" eine vor allem visuell sehr starke Chronologie des stillen Widerstandes in Timbuktu in jener Phase und erzählt dabei im Kern die Geschichte des tragischen Mordes eines Viehzüchters an einem Fischer und die daraus folgende Verhandlung nach Vorschriften der Scharia. In seinen ruhigen und emotiven Bildkompositionen ist "Timbuktu" vor allem eine versuchte Analyse von Dynamiken, die bestimmte Machtverhältnisse begünstigen und ihre Entstehung fördern. Mehr noch aber ist es ein Versuch, den Zweifel zu entblößen, der jedem Extremismus innewohnt und eine Hoffnung freizulegen, mit der man ihm entgegentreten kann.

Timbuktu - auch als allegorischer Ort einer paradox barbarischen "Zivil"-Gesellschaft zu verstehen - funktioniert hier als Mahnmal ebenso wie als Ort der Hoffnung in seiner Besinnung auf menschliche Gemeinsamkeiten. Und gerade in Zeiten, wenn man solche gerne leugnet, mag dies wichtig sein.

DRAMA

Timbuktu, F/MAU 2014

Regie: Abderrahmane Sissako. Mit: Ibrahim Ahmed, Abel Jafi