Wenn auf Bühne oder Film ein Stück für stark gemischte Reaktionen sorgt, kann man durchaus unterstellen, etwas Interessanteres zu erwarten, als gängige Massenware. Genau das trifft auf "Casanova Variations" zu. Wobei sich die Filmversion deutlich von der Fassung unterscheidet, die 2011 im Ronacher zu sehen war. Vor allem imposante Bildausweitung, angepasste Dramaturgie sowie erweiterte Darsteller nutzen raffiniert alle filmischen Möglichkeiten.

Doch aus dem verzweigten Labyrinth von Selbstdarstellung, Geschichte, Mythos, Fantasie, gemixt mit Sprechtheater und Oper führt kein Ariadne-Faden heraus. Also muss man sehr genau mitgehen. Nur, wer sich darauf einlässt, nicht etwa beschwingte Unterhaltung wie in "Casanova" von Lasse Hallström (2005), oder den tragikomischen Helden von Fellini (1976) erwartet, ist hier richtig. Denn hier hält der gealterte Giacomo Casanova per Selbstbiografie eine realistische, aber auch traumähnliche Lebens-Rückschau. Die Zeitebenen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart vermischen sich nahtlos. Dazu gesellen sich die drei Opern von Mozart und Da Ponte. Wobei der weitgereiste Abenteurer mit ihnen anlässlich der Vorbereitung von "Don Giovanni", tatsächlich zusammengetroffen sein soll.

Dies dient zum Beispiel darzulegen, dass Casanova kein frauenverachtender "Don Juan" war. Viele, viele Details verwirren, sind aber Wert, gesehen zu werden. Nahe gebracht werden sie durch ein glänzendes Sänger- und Schauspielerensemble.