"Einem Krebskranken Globuli zu geben, das ist... wie einem Krebskranken Globuli zu geben", sagt der Gruber (gespielt von Manuel Rubey) im Film einmal, als seine Mutter zu ihm auf Besuch kommt, um ihn aufzupäppeln, weil seine Designerküche in seinem stylishen Apartment in Wien, das er sich als erfolgreicher Manager Mitte dreißig bereits leisten konnte, ja nicht von selber kocht, erst recht nicht, seit der Gruber krank und eben nimmer so gefragt ist. Gegen den "verwässerten Eso-Scheiß" wehrt sich der Gruber, weil "Eso", das heißt irgendwie immer auch "Emo(tionen)", und die hält er für überflüssig, zumindest, bis er auf die Berliner DJane Sarah (Bernadette Heerwagen) trifft, die seine gedanklichen Spaziergänge am Wiener Zentralfriedhof, wo er sich bald permanent zuhause wähnt, zumindest in ein romantisches Licht taucht.

Unleugbar krankt auch Marie Kreutzers Verfilmung des gleichnamigen Romans "Gruber geht" von Doris Knecht an der Verwässerung eines potenziell komplexen Themas durch konventionelle und platte Sicherheiten suchende Regie-Entscheidungen.

Stark allerdings ist, wie auch in Kreutzers Regiedebüt "Die Vaterlosen" aus dem Jahr 2011, ihr Gefühl für Dialoge, Familiendynamiken und leises Figurenspiel, das der Schauspieler Manuel Rubey hier scheinbar mühelos, jedenfalls aber hervorragend fast im Alleingang trägt, auch wenn Doris Schretzmayer als Grubers unerschütterlich loyale Schwester ebenfalls überzeugt.

Drama

Gruber geht, Ö 2015

Regie: Marie Kreutzer. Mit: Manuel Rubey, Bernadette Heerwagen, Doris Schretzmayer, Thomas Stipsits