Ein Ex-Auftragskiller im Ruhestand, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich wieder ins Getümmel gerät, gehört zur immer wieder nachgeladenen Film-Munition. Nun lädt Keanu Reeves durch, der dringend wieder einen Kassen-Point Blank braucht. Auf Plausibilität sollte man bei diesem Kracher getrost verzichten, Atmosphäre und Stimmung passen hingegen vollauf. Auch bei Action liefern die Regisseure, zwei Stunt-Koordinatoren, volle Leistung ab. Hatten bereits in den 1960er Jahren der knarzige Lee Marvin "Wo ist mein Geld?" oder kürzlich Liam Neeson "Wo ist meine Tochter?" geknurrt, bevor sie auf Rachefeldzug gingen, so bellt nun Reeves als John Wick "Wer killte meinen Hund?" Das süße Viecherl war ihm von seiner Frau knapp vor ihrem Tode geschenkt worden. Der zu tiefst Trauernde hängt deshalb ganz besonders an dem Tier. Als Angehörige einer Russen-Mafia seinen schicken 69er Mustang klauen und dabei den kleinen Vierbeiner abknallen, geht es ans Eingemachte. Ab nun werden keine Gefangenen gemacht.

Die düstere, grimmige Noir-Grundstimmung entwickelt sich zu einer brutalen, anarchistischen Parallelwelt, die mit der "Wirklichkeit" bewusst wenig zu tun hat. Optisch sieht dabei alles toll aus. Reeves lässt, neben etwas Matrix-Neo, auch eine Portion Selbstironie einfließen. Trotz aller inhaltsarmen Vorhersehbarkeit überzeugt der schmucke, kernige B-Thriller formal. Hardcore-Fans jedenfalls werden voll auf ihre Rechnung kommen.

Actionthriller

John Wick , USA 2014

Regie: David Leitch, Chad Stahelski

Mit: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Willem Dafoe