Gleich zu Beginn weist "Selma" den Weg, den das zwischen 1964 und 1968 angesiedelte Historiendrama über Martin Luther King Jr. gehen wird: Parallel zur Nobelpreisverleihung wird eine Gruppe schwarzer Mädchen in einer Kirche von einer Bombe getötet. Dazu kommt die erniedrigende Behandlung einer Afro-Amerikanerin durch einen Wahlbeamten in den Südstaaten. Das seit 1870 existente entsprechende gesetzliche Wahlrecht wird einfach ignoriert. Regisseurin Ava DuVernay führt so ohne Umschweife und eindringlich in das gesellschaftspolitische Klima der 1960er Jahre ein. Im Zentrum der unermüdliche Einsatz von King gegen brutalen Rassismus und Rassentrennung mitsamt seinen Visionen. Auch Selbstzweifel wie angeblich private Probleme werden nicht ausgespart. Das Publikum soll zum Nachdenken angeregt werden. Dadurch wird viel Verdrängtes ins Bewusstsein gerufen: Dass rassistische Ungerechtigkeit ebenso wie Antisemitismus aktueller denn je sind. Wenn damals etwa ein unbewaffneter jugendlicher Schwarzer von Polizisten erschossen wurde, ohne Konsequenzen für die Täter, so denkt man sofort an die gegenwärtigen Ereignisse von Ferguson, Cleveland oder Brooklyn. Trotz einer ganz speziellen Lesart, was einige Einwände wegen historischen Ungenauigkeiten zur Folge hatte, ist "Selma" ein wichtiger Beitrag zum Thema Menschenrechte. Als erster Film einer afroamerikanischen Regisseurin ist "Selma" bei den Oscars als "Bester Film" nominiert, trotzdem ist fast anzunehmen, dass dieses unbequeme Stück US-Geschichte leer ausgehen dürfte.

Geschichtsdrama

Selma, USA 2014

Regie: Ava DuVernay. Mit: David Oyelowo, Carmen Ejogo