Wenn man von der Tatsache absieht, dass eine Frau im Gärtnerberuf bei Hofe zur Zeit des "Sonnenkönigs" Ludwig XIV. historisch völlig unmöglich war, dann kann man sich bei "Die Gärtnerin von Versailles" ganz gut unterhalten. Alan Rickmans zweite Regiearbeit plätschert zwar etwas unentschlossen dahin, immerhin ist aber die Besetzung stimmig.

Als da wären: Der ehrgeizige, aber visionslose und stark überforderte Gartenarchitekt des Königs, André Le Nôtre (Matthias Schoenaerts), der den Auftrag bekommt, für seinen Chef den Garten von Versailles in ein überlebensgroßes Gesamtkunstwerk zu verwandeln, das alles bisher Gesehene in den Schatten stellt.

Hinzu gesellt sich bald die fiktive Landschaftsgärtnerin Sabine De Barra (Kate Winslet), deren Entwürfe tatsächlich besser sind als die aller anderen Bewerber. Aber eine Frau? Als Gärtnerin des Königs? Le Nôtre sieht bald ein, dass ihm keine Optionen bleiben: Bald schon durchstreift Sabine De Barra regelmäßig die Baustelle, um den Fortgang ihrer Arbeit zu verfolgen - sehr zum Missfallen vieler höfischer Beobachter. Auch Sabotage steht bald im Raum.

Artige Romanze


Unnötig zu erwähnen, dass die Drehbuchautoren Jeremy Brock und Alison Deegan der Geschichte auch noch eine Romanze spendiert haben, und zwar zwischen Gärtner und Gärtnerin, selbstredend. Man ertappt sich dabei, sich auszumalen, wie dieser Film wohl ausgesehen hätte, hätte ihn Woody Allen inszeniert.

Bei Alan Rickman ist "Die Gärtnerin von Versailles" eine artige Romanze mit einigen humorigen Szenen, an denen nicht selten der als Neffe des Königs besetzte, köstliche Stanley Tucci beteiligt ist. Die dazu servierte Opulenz der Bilder, all die Gärten, Schlösser, Diners, Kostüme und Kutschen zeugen zwar von Rickmans Interesse an der (Macht-)Symbolik dieses französischen Herrschers und zelebrieren auch die Insignien dieser Zeit, bremsen dafür aber die dramaturgische Ebene vollends aus, was die schön anzusehende Romanze zu einer trägen Kutschenfahrt durch das 17. Jahrhundert macht, bei der historisch nur wenig stimmt. "Spielt doch alle nackt!", möchte man irgendwann rufen, aber gerade da legt Rickman als Ludwig XIV. zum ersten Mal die drückende Perücke ab. Das ist geradezu revolutionär.