Ridley Scott kann nicht ablassen von diesem Thema: Er ist schon seit Anbeginn seiner Karriere dem Fantasieren über die Unendlichkeit des Alls erlegen und hat sich allerlei Kreaturen ausgedacht, die er in den Kampf mit dem Menschen geschickt hat. Auch "Der Marsianer" ist da keine Ausnahme, wiewohl es diesmal eher die unwirtlichen Umstände sind, die auf den Protagonisten einwirken. Marsmännchen gibt es hier nämlich keine.

Dafür nimmt sich "Der Marsianer" viel zu bodenständig und wirklichkeitsorientiert aus. Er feiert den Tüftler im Menschen und dessen empathische Fähigkeit, sich selbst und andere zum Lachen zu bringen.

Gar so zukünftig wie andere Scott’schen All-Ausflüge ist "Der Marsianer" nicht - schließlich ist die Nasa schon mit Sonden dorthin geflogen und berichtet auch über angebliche Wasserquellen auf dem roten Planeten. Scotts Geschichte kürzt ein paar Jahrzehnte anstehender Forschung ab und beginnt mit einer bemannten Marsmission. Die muss allerdings wegen eines Sandsturms abgebrochen und der Planet evakuiert werden - dabei wird Astronaut Mark Watney (Matt Damon) verletzt. Sein Team um Captain Melissa Lewis (Jessica Chastain), muss annehmen, dass er tot ist. Watney wird zurückgelassen.

Harter Überlebenskampf


Doch er hat überlebt, aber wie lange geht das gut, ganz alleine auf dem Mars? Er beschließt jedenfalls, dort nicht zu sterben. Eine Rettungsmission braucht ganze vier Jahre, um wieder zu ihm zu gelangen, also muss Nahrung angebaut werden. Ausgestattet mit Überlebenswillen, Intelligenz und seiner Ausbildung als Botaniker macht er sich an die Arbeit.

Zum Nötigsten, was ein Mensch zum Überleben braucht, gehören auch Kommunikationsmittel. Watney hat keine Möglichkeit, mit der Nasa auf der Erde Kontakt aufzunehmen, also führt er das Video-Logbuch, durch das uns Scott den Fortgang der Ereignisse erklärt. Es gelingt Watney, dem Nachbarplaneten auf Satellitenaufnahmen mitzuteilen, dass er noch am Leben ist. Neben seinem Überlebenskampf beobachten wir nun das Krisenmanagement der Nasa, die an einem funktionierenden Rettungsplan arbeitet.

Dank Astronautin Lewis’ zurückgelassener Disko-Plattensammlung beschallt Watney den Mars mit ABBA-Musik. Neben dem Ziel, auf diesem Planeten nicht sein Waterloo zu erleben, ist es vor allem eines, was ihn am Leben hält: der Wille zur Tat. Ein Problem wird nach dem anderen angepackt.

Ridley Scott preist mit dem "Marsianer" die Entschlossenheit, immer aufs Neue aufzustehen, den eigenen Verstand einzusetzen und weiterzumachen. Der Brite feiert also wieder einmal zutiefst amerikanische Tugenden. Zugegeben: Dies geschieht im Angesicht von Watneys eher dürftigen Alternativen.

"Der Marsianer" ist perfekt besetzt bis in die Nebenrollen. Matt Damon spielt den Helden ohne Pathos und mit sehr viel Witz; so erklärt er sich zum Weltraumpiraten, als der Bart wächst und er beginnt, gegen internationale Gesetze Raum zu erobern, der nie zuvor betreten wurde.

Die Ausstattung zeugt von viel Sinn für Weltraum-Humor: Es ist sicher kein Zufall, dass die beiden Kameras an Watneys Helm ihm die Silhouette eines Marsmännchens geben. Hat Scott also doch noch sein Alien untergebracht.