Wahrscheinlich werden gar nicht wenige Menschen diese Kritik auf einem iPhone lesen. Man muss gar nicht Ikonen-Mystifizierung betreiben, um festzustellen: Kaum jemand hat den Alltag der Gegenwart so beeinflusst wie Apples Steve Jobs. Aber muss man den Mann, dessen Erfindungen man mag, auch mögen? Nach dem Film "Steve Jobs" von Danny Boyle wird man sich die Frage vielleicht ein bisschen intensiver stellen.

Boyle und Drehbuchautor Aaron Sorkin haben in der Flut der biografischen Filme (es gab sogar ein Steve-Jobs-Biopic vor zwei Jahren) immerhin einen originellen Zugang. Sie konzentrieren sich allein auf drei wichtige Momente in Jobs’ Leben. Beziehungsweise auf die Momente vor diesen wichtigen Momenten in Jobs’ Leben.

Station eins führt ins Kalifornien von 1984. Jobs ist kurz davor, den Macintosh zu präsentieren. Die nächste Station zeigt den Entwickler vier Jahre später: Minuten, bevor er, aus seiner eigenen Firma entlassen, seinen "perfekten Würfel", den NeXT-Computer vorstellen will. Die dritte Station ist noch einmal 14 Jahre später: Jobs bereitet sich, jetzt auch im berühmten Rolli, auf die Vorstellung des freundlich runden, aber stylish durchsichtigen iMac vor.

In allen drei Situationen spielt sich eigentlich dasselbe ab: Auf der beruflichen Front verlangt Jobs von seinen Mitarbeitern Unmögliches (zum Beispiel den Macintosh "Hallo" sagen zu lassen) und hält sie - reichlich schizophren - trotzdem für Trotteln. Auf der privaten Front zeigt sich schlaglichtartig die Entwicklung der Beziehung zu seiner Tochter Lisa. Erst will er sie nicht anerkennen (mit einem Algorithmus rechnet er dem "Time"-Magazin vor, dass Lisas Vater rund ein Drittel aller Amerikaner sein könnten - bei einer Vaterschaftswahrscheinlichkeit von 94 Prozent), dann fühlt er sich ein bisschen verantwortlich, schließlich scheint ihm Lisa gar wichtiger zu sein als der pünktliche Beginn seiner Präsentation. Vor allem seine treue Begleiterin Joanna Hoffman (Kate Winslet, kaum zu erkennen in 80er-Brille und Kurzhaar-Dauerwelle) weiß, welcher Entwicklungssprung das ist.

Enttäuschte Kollegen


Sie gehört zum dritten Kreis, mit dem Jobs just immer zusammenstößt: berufliche Weggefährten, die auch Freunde sein könnten. Wenn sie Jobs nicht nachhaltig vor den Kopf gestoßen hätte. Wie Steve Wozniak, mit dem er gemeinsam in der Garage geschraubt hat und dem er beharrlich die Anerkennung verweigert. Seth Rogen spielt ihn fast schon unglaubwürdig gutmütig. Michael Fassbender wiederum gibt seinem Steve Jobs eine kühle Unnahbarkeit, die so doppelbödig ist, dass sie mitunter die klischeehafte Fragestellung, wie viel Maschine der Maschinen-Erfinder selbst sein muss, vergessen lässt.

Konsequenter und gewagter wäre der Film gewesen, hätte er auf Rückblenden verzichtet, die wie ein Fremdkörper wirken und nicht notwendig sind, da der Film sich ohnehin an eine sehr eingeweihte Zielgruppe richtet. Wobei zugegeben auch Computernerd-Zitate allgemeingültig sein können, wenn etwa Wozniak sagt: "Das ist nichts Binäres. Man kann gleichzeitig anständig und begabt sein."