"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." Diese Aussage eines der berühmtesten Kinderbücher der Weltliteratur, kennt heute noch jeder. Wobei Antoine de Saint-Exupéry sein Buch "Der kleine Prinz" explizit einem Erwachsenen gewidmet und sich dafür bei den Kindern entschuldigt hatte. Es geht eben sowohl um die Welt der Kinder, die es zu erhalten und zu akzeptieren gilt, als auch um die der Großen, zwischen Freundschaft und politischem wie gesellschaftlichem Werteverfall.

Dazu kommen ganz persönliche Probleme des Autors. Diese Vielfalt versucht die Neuinterpretation auszuloten, indem sie beide Ebenen miteinander verbindet: Die eines kleinen Mädchens, das von seiner Mutter in ein bis ins Letzte durchgeplantes, nur auf Erfolg ausgerichtetes Leben gepresst wird. Bis sie auf einen alten, exzentrischen, herzensguten Nachbarn trifft, der sich als Ex-Pilot herausstellt und sie mit der Geschichte des kleinen Prinzen bekannt macht. Ihre Begeisterung veranlasst sie zum Aussteigen aus dem bisherigen, rein erfolgsbestimmten Leben, ins Unbekannte. Sie trifft dabei auf andere Erwachsenen, die auch nur materiell bedacht sind.

Diese kritische Verbindung wird geschickt optisch aufgeteilt. Die Wirklichkeit ist in moderner Animation gestaltet, die Fantasie-Gegenwelt bewusst zeitlos in Stop-Motion Technik. Wunderschön, klug, poetisch, magisch. Das einzige, das man einwenden könnte: Der Märchenteil fällt etwas knapp aus.

Märchenanimation

Der kleine Prinz, F 2015

Regie: Mark Osborne

Stimmen: Mackenzie Foy, Jeff Bridges, Rachel McAdams