Charlie Kaufman. - © K. Sartena
Charlie Kaufman. - © K. Sartena

Ein Mann auf Geschäftsreise, in einem Hotel in Cincinnati, in dem ihm allerlei seltsame Figuren begegnen - darunter auch eine sehr zärtliche Erscheinung, mit der er schon gar nicht mehr gerechnet hatte. Das Besondere an "Anomalisa" ist nicht die Geschichte, sondern die Machart des Films: Mit aufwendiger Stop-Motion-Tricktechnik von Hand Bild für Bild animiert, vermittelt dieses wunderbare filmische Kleinod von Charlie Kaufman und Duke Johnson den Eindruck von "handgemachtem" Kino.

"Wiener Zeitung":
Mr. Kaufman, wie lange haben Sie an "Anomalisa" gearbeitet und wieso ist der Stoff als Animationsfilm umgesetzt worden?
Charlie Kaufman:
Wir haben drei Jahre an dem Film gearbeitet. Ich habe die Story 2005 als Bühnenstück verfasst, und es wurde auch aufgeführt. Ein Freund von mir, der bei einem Animationsstudio arbeitete, sah das Stück und wollte es unbedingt als Trickfilm umsetzen. Die Figuren sind dieselben, die Schauspieler sind dieselben, das Drehbuch ist dasselbe - zumindest fast genau. Das Drehbuch fühlte sich von Anfang an so an, als ließe es sich wunderbar in Animation übertragen. Es ist wie gemacht für dieses Medium.

Wieso haben Sie sich denn für die althergebrachte Stop Motion-Technik entschieden, bei der sämtliche Bewegungen von Hand verändert und einzeln abfotografiert werden?
Weil das Studio hauptsächlich Stop-Motion-Projekte realisiert. Das war also mehr oder weniger Zufall. Als wir dann sahen, wie das Projekt zum Leben erwachte, stellte sich heraus, dass es die richtige Entscheidung war, es so umzusetzen.

Der melancholische Look des Films erinnert zuweilen an die Gemälde von Edward Hopper. Wurden Sie davon inspiriert?
Nein, überhaupt nicht! Aber ich sage Ihnen etwas: Wir haben kürzlich einen Interviewfragebogen für eine Zeitung ausgefüllt, und da stand als letzte Frage, welche Maler uns inspirierten. Mir fiel als Erstes Edward Hopper ein. Aber das war nach dem Film. Während wir ihn gemacht haben, dachte ich nie an Hoppers Bilder.

Es war zu hören, der Film trage autobiografische Züge. Stimmt das?
Ich glaube, dass alles, was man schreibt und was gut ist, aus einem selbst stammt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, wenn man dann und wann auch autobiografische Züge in seinem Script entdeckt. Ich tue das aber nicht bewusst, denn ich folge ja meinen Gedanken und analysiere nicht, was ich früher schon getan habe oder welche Einflüsse auf mich wirkten. Darauf werde ich meist von außen aufmerksam gemacht. Und dann erkenne auch ich eventuelle Gemeinsamkeiten mit früheren Arbeiten oder mit meiner Person.