Vor gut zehn Jahren, da war die Welt der schreibenden Zunft noch in Ordnung. Da leistete sich ein Blatt wie der renommierte "Boston Globe" eigene Recherche-Teams, die oft monatelang hinter einem Skandal herrecherchierten, ohne auch nur ein einziges Wort darüber zu publizieren. Wenn es am Ende hieß: "Gut zum Druck", wurde schnell klar, wieso man solche Medien als "renommiert" bezeichnete: Weil sie die Kernaufgaben einer freien Presse nicht nur wahrnahmen, sondern regelrecht zelebrierten. Im Zeitalter von Blogger-Invasion und oberflächlicher Boulevard-Journaille sind solch edle Tugenden rar, weil unwirtschaftlich geworden.

Auch davon handelt Tom McCarthys Journalisten-Thriller "Spotlight", der die Geschichte der Aufdeckerjournalisten des "Globe" nacherzählt, die 2003 den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Massachusetts recherchiert hatten und dafür den Pulitzerpreis erhielten. Gegen die katholische Kirche zu Felde zu ziehen, um den Kindes-Missbrauch durch Priester öffentlich zu machen, war anderen Journalisten damals zu heiß; viele sollen von dem Skandal gewusst haben, wagten aber nicht, darüber zu berichten.

McCarthy inszeniert sein sechsfach oscarnominiertes Drama sauber und schnörkellos, alles erinnert optisch an einen etwas bieder ausgestatteten TV-Film. Mark Ruffalo, Rachel McAdams und Chef-Aufdecker Michael Keaton machen ihre Sache außerordentlich gut, jedoch reißt das komplex gebaute Thema des Films nicht durchgehend mit: Knallharte Recherche und Faktenchecks liefern nun mal leider keine Bildgewalt.