Ein Kleinbauer als Freigeist

(fan) Die Doku führt durch ein etwas anderes Spanien. In den Provinzdörfern kämpfen die Bewohner zwischen Tradition und akuter Wirtschaftskrise um das Überleben. Die Bauern sind dem ständigen Druck der Lebensmittelindustrie, der Banken und der Großgrundbesitzer ausgesetzt. Doch man kann auch anders damit umgehen. Der Kleinbauer Gonzalo bestreitet im Hochland von Kastilien seine Existenz ausschließlich durch Selbstversorgung. Mit viel Freigeistigkeit erklärt er seine geradezu rebellisch anmutende Sichtweise. Einige Plattitüden dabei stören nicht weiter, denn diese, obendrein bildstarke, Hommage an eine im Verschwinden begriffene Lebensweise, beeindruckt
ungemein.

Seit die Welt Welt ist, A/E 2015

Regie: Günter Schwaiger

Böse Hexen als Volksmärchen

(fan) Um es vorwegzunehmen: Wer sich einen Horrorstreifen mit Jump-Scare-Buh-Effekten erwartet, sollte "The Witch" fernbleiben. Grusel wird durch Ausloten der hyperreligiösen Paranoia erreicht. Ein streng calvinistisch ausgerichtetes Ehepaar mit fünf Kindern wird im Neuengland des 17. Jahrhunderts gezwungen, sich an den Rand eines unzugänglichen Waldes zurückzuziehen. Auf ihrer neuen Farm häufen sich merkwürdige Vorkommnisse. Sind der Satan und böse Hexen mit im Spiel, ist die älteste Tochter womöglich eine Hexe? Was sich zum höchst verstörenden Psychodrama entwickelt, schwenkt am Schluss zu seiner Vorlage, einem "New England Folktale". Damit führt sich der zuvor gelungen hohe Anspruch selbst ad absurdum.

The Witch, USA/CDN 2015

Regie: Robert Eggers

Mit: Anya Taylor, Ralph Ineson, Kate Dickie Stern

Zarte Melodien als Komahilfe

(fan) Die ihrer Familie entfremdete Frenny (Anne Hathaway) muss nach Hause zurückkehren, nachdem ihr Bruder, ein Straßenmusiker, nach einem Unfall ins Koma gefallen war. Als sie seinem Leben nachgeht, trifft sie auch sein Musik-Idol James Forester (Johnny Flynn).

Dann folgt eine zarte Liebesgeschichte, der Rest bleibt überraschungsfrei bis abgedroschen. Songs müssen auch sein, denn Flynn ist ein Bandleader, dafür versickert das Drama des Bruders zeitweise. Dabei ist alles so extrem leise und zurückhaltend, dass der Film nicht wirklich in Schwung kommt. Trotz einiger berührender und melancholischer Szenen, können auch die Darsteller nicht viel gegen die Fadesse ausrichten.

Song One, USA 2014

Regie: Kate Barker-Froyland

Mit: Anne Hathaway, Johnny Flynn, Mary Steenburgen