Der Titel "Captain Fantastic" erinnert frappant an eine der üblichen Comic-Verfilmungen. Hat aber damit überhaupt nichts zu tun. Im Gegenteil. Der als Aragorn weltbekannt gewordene Viggo Mortensen verkörpert hier eine Gegenrolle, die seiner persönlichen Bodenständigkeit eher nahe kommt: einen Super-Papa, der seine Kinder gezielt nach eigenen Ideen erzieht, fernab gängiger Konventionen. Dementsprechend glaubhaft agiert er auch.

Tief in den nördlichen US-Wäldern haben Ben, also Mortensen, und seine Frau Leslie (Trin Miller) in mühsamer Handarbeit ein abgeschottetes, selbstversorgendes Refugium für sich und ihre sechs Kinder geschaffen, die demgemäß auch auf sehr seltsame Namen hören. Selbst sehr gebildet, lehrt er seinen Nachwuchs knallhart mehr, als den üblichen Gleichaltrigen entsprechen würde. Doch dann bekommt seine Utopiewelt einen gehörigen Schicksalsschlag-Knacks, der die Familie dazu zwingt, wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Heftige Spannungen sind vorprogrammiert, nicht nur mit Mitbürgern, sondern auch untereinander.

In diesem, schräg-heiteren, aber ehrlichen Entwicklungsprozess glänzen neben Mortensen vor allem die Kinder, die eindrucksvoll in einzigartige Persönlichkeiten schlüpfen können und einem richtiggehend ans Herz wachsen. Neben Witz wird auch viel Hintersinn und Sozialkritik geboten. Einige Schablonenhaftigkeiten und konventionelle Wendungen fallen bei dieser (mehr als nur) Unterhaltung kaum ins Gewicht.

Tragikomödie

Captain Fantastic, USA 2016

Regie: Matt Ross

Mit: Viggo Mortensen, Frank Langella, George Mackay